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25/09/2016

Europas Aktienbörsen fallen wieder ins Sommerloch

Finanzen und Wirtschaft

Europas Aktienbörsen fallen wieder ins Sommerloch

Sommerloch auch auf dem europäischen Aktienparkett. Der Dax schwächelt aufgrund befürchteter Zinserhöhungen in den USA.

[Daniel Reinhardt/dpa]

Die wieder zunehmenden Spekulationen auf eine US-Zinserhöhung noch im laufenden Jahr hat die Finanzmärkte beunruhigt.

Während der Dollar in der Gunst der Anleger wieder stieg, wurden in Europa Aktien aus den Depots geworfen. Der Dax schloss mit 10.544,44 Punkten 0,4 Prozent niedriger. Der EuroStoxx50 verlor ebenfalls 0,4 Prozent. Da die Londoner Börse feiertagsbedingt geschlossen war, blieben die Umsätze sommerlich dünn und lagen im Dax so niedrig wie noch nie in diesem Jahr. An der Wall Street notierten der Dow-Jones- und der S&P500-Index dank eines Anstiegs der Finanzwerte zum europäischen Handelsschluss je etwa 0,6 Prozent höher.

US-Notenbankchefin Janet Yellen hatte am Freitagnachmittag den Zeitpunkt für eine Zinserhöhung weiter offengelassen. „Letztendlich scheint jede Entscheidung weiterhin in Abhängigkeit von der aktuellen Datenlage getroffen zu werden“, schrieben die Analysten der Metzler Bank. Die gestern veröffentlichte Statistik zu den Konsumausgaben der US-Bürger für Juli fiel in etwa wie erwartet aus und brachte den Anlegern keine neuen Erkenntnisse. Im weiteren Wochenverlauf stehen allerdings noch die US-Arbeitsmarktdaten an, denen hohe Bedeutung für die Fed-Entscheidung beigemessen wird.

An den Terminmärkten setzen seit Freitag wieder mehr Anleger auf eine Zinserhöhung noch in diesem Jahr. Dabei wetteten die meisten auf eine Anhebung im Dezember. Dies trieb den Dollar zum Yen auf 102,20 von 101,82 Yen am Freitagabend. Der Euro rutschte auf 1,1170 Dollar und lag damit gut einen US-Cent niedriger als vor der Yellen-Rede am Freitag.

Alstrom trotzen nach Großauftrag für US-Eisenbahn dem Trend

Die Aufwertung der US-Währung machte auch den Rohstoffen zu schaffen, die dadurch für Investoren außerhalb der USA teurer werden. Am Ölmarkt verbilligte sich die richtungsweisende Sorte Brent aus der Nordsee um 1,5 Prozent auf 49,16 Dollar je Barrel (159 Liter). Hier drückten die gestiegenen Ausfuhren Iraks – des zweitgrößten Exporteurs innerhalb der Opec – auf die Preise.

Am Aktienmarkt trennten sich Anleger aus Furcht vor einer Verlangsamung des US-Wachstums durch eine Zinserhöhung von konjunkturabhängigen Werten. So verloren die Aktien der Stahlkocher ArcelorMittal, Thyssenkrupp und Salzgitter bis zu drei Prozent. Gegen den Trend stiegen die Aktien von Alstom in Paris um 2,9 Prozent. Der Siemens-Rivale liefert 28 Hochgeschwindigkeitszüge an den US-Eisenbahnbetreiber Amtrak. Der Auftrag hat laut Alstom ein Volumen von 1,8 Milliarden Euro.

Unter den Einzeltiteln in New York standen Herbalife im Rampenlicht. Der Kurs des Spezialisten für Nahrungsergänzungsmittel zog mehr als zwei Prozent an. Der Investor Carl Icahn kaufte zusätzliche Aktien, nachdem er angebliche Ausstiegspläne dementiert hatte. Besonders gesucht waren ansonsten die Finanzwerte: Goldman Sachs, Citigroup, JP Morgan, Morgan Stanley und Bank of America gewannen je ein Prozent. Die Geldhäuser dürften am meisten von höheren Zinsen profitieren, sagte ein Händler.

 

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