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27/07/2016

EU-Osterweiterung: Sorgen deutscher Firmen sind passé

Finanzen und Wirtschaft

EU-Osterweiterung: Sorgen deutscher Firmen sind passé

Die Aufnahme von acht mittel- und osteuropäischen Ländern (im Bild: das ungarische Parlament in Budapest) – in die EU 2004 sahen viele Unternehmen in Deutschland eher skeptisch. Foto: Guenter Hamich / pixelio.de

Im Zuge der EU-Osterweiterung erwarteten viele deutsche Firmen einen erhöhten Wettbewerbs- und Rationalisierungsdruck durch Konkurrenten aus den neuen Mitgliedsstaaten. Doch zehn Jahre später ist klar: Von den damaligen Befürchtungen ist kaum eine Realität geworden.

Die EU-Osterweiterung im Jahr 2004 ist aus Sicht der deutschen Unternehmen weitgehend problemlos verlaufen. In den Betrieben wurden dadurch keine großen Veränderungen ausgelöst. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Darin wurden zwei repräsentativen Befragungen aus den Frühjahren 2004 und 2014 miteinander verglichen.

Gut ein Drittel der 2004 befragten deutschen Betriebe ging davon aus, dass die Importe aus Estland, Lettland, Litauen, Polen, Slowenien, der Slowakei, Tschechien und Ungarn zunehmen würden und dies starke Auswirkungen auf ihre Geschäfte hätte. Aufgrund der niedrigeren Arbeitskosten in den Beitrittsländern rechnete zudem mehr als ein Drittel der west- und ein Viertel der ostdeutschen Firmen mit einem hohen Rationalisierungdruck.

Bereits ein Jahr nach der offiziellen Erweiterung bewahrheiteten sich für die Unternehmen in Deutschland die Erwartungen bei weitem nicht. Der Rationalisierungs- und Innovationsdruck, der Konkurrenzdruck durch Importe, billigere Vorleistungen oder durch Firmen aus den mittel- und osteuropäischen Ländern vor Ort wurde im Frühjahr 2005 deutlich schwächer eingeschätzt als ein Jahr zuvor.

Von den im Frühjahr 2014 befragten Unternehmen gab nur rund jedes zehnte an, durch in Deutschland tätige Firmen aus Mittel- und Osteuropa oder durch Importe aus diesen Ländern stark unter Druck geraten zu sein.

Fast zwei Drittel der Befragten verneinten dagegen die Frage nach solchen Auswirkungen. Auch andere frühere Befürchtungen haben sich nicht bewahrheitet.

Beim Blick auf einzelne Wirtschaftssektoren zeigt sich, dass die Industrie und das Baugewerbe insgesamt stärker von der EU-Erweiterung beeinflusst worden sind als die Dienstleister. Immerhin 44 Prozent der Industriefirmen berichten von einem geringfügig oder sogar deutlich höheren Rationalisierungsdruck. Und 54 Prozent der Bau­unternehmen sagen, Firmen aus Mittel- und Osteuropa würden ihnen hierzulande etwas oder sogar erheblich mehr Konkurrenz machen.

Die Unternehmensbefragung zeigt dennoch laut Studie deutlich, dass eine negative Wahrnehmung oder sogar eine Dramatisierung der ökonomischen Folgen der EU-Osterweiterung in den Unternehmen nicht vorzufinden ist. Das Fazit: Befürchtungen, die mit Marktöffnungen und ökonomischen Neuerungen verbunden sind, gingen oft fehl. Dieser Befund sei nicht zuletzt hilfreich für die Diskussion über weitere wirtschaftliche Integrationen, zum Beispiel mit Blick auf die Zuwanderung von Fachkräften.

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