EU-Lebensmittelexporte wegen hoher Qualität beliebt

Exportprodukte wie Wein, Olivenöl und frisches Gemüse aus Südeuropa sind wegen ihrer hohen Qualität in Drittstaaten besonders beliebt. [Pierre PRESTAT/Flickr]

Herkunftsangaben auf Verpackungen haben es EU-Produzenten ermöglicht, neue Märkte für hochqualitative Nahrungsmittel zu erschließen. Europol warnt, dass immer mehr gefälschte Produkte gefunden werden.

Exportsanktionen und Preisschwankungen haben die bereits schwächelnde EU-Landwirtschaft weiter unter Druck gesetzt. Das Embargo gegen Russland betrifft den wichtigsten Markt vieler europäischer Landwirte. Vor der diplomatischen Krise wurden Waren im Wert von 5,5 Milliarden Euro nach Russland ausgeführt.

Allerdings ist es der EU-Kommission gelungen, neue Exportmärkte zu öffnen. Laut Eurostat haben die Exporte landwirtschaftlicher Nahrungsmittel aus der EU im Jahr 2016 einen neuen Rekordwert von 130,7 Milliarden Euro erreicht. Haupt-Handelspartner sind dabei weiterhin die USA und China. Gleichzeitig wachsen neue Märkte in Asien, insbesondere Japan, Vietnam und Südkorea. Auch nach Singapur, auf die Philippinen und nach Indonesien wurden mehr Ausfuhren verzeichnet.

Qualitätsmechanismen und Handelsabkommen

Insbesondere südeuropäische Produkte wie Olivenöl, Wein und frisches Gemüse sind in Drittstaaten wegen ihrer hohen Qualität beliebt. Marc Vanheukelen, EU-Vertreter bei der Welthandelsorganisation (WTO) erklärte bereits letztes Jahr, viele asiatische Märkte würden „aufgrund des Bevölkerungswachstums und eines Erstarkens der Mittelschicht wachsen. Die Essgewohnheiten ändern sich.” Diese Konsumenten hätten hohe Ansprüche an die Qualität, Sicherheit und den Nährwert von Lebensmitteln – und europäische Produkte „stehen in diesen Punkten sehr gut da.“

Die EU legt sehr viel Wert auf Lebensmittelqualität und hat das System der geschützten geografischen Angaben (ggA) geschaffen, mit dem regionale Produkte mit besonderen Eigenschaften geschützt und gefördert werden sollen. Die meisten dieser Produkte kommen aus Südeuropa: Frankreich, Italien, Portugal, Spanien und Griechenland führen die Liste an.

Die Qualitätsstandards umfassen Lebensmittel, Wein, Spirituosen und aromatisierte, weinhaltige Getränke. Derzeit werden 1402 Produkte mit ggA-Labels geschützt. Der Exportwert dieser Produkte liegt bei geschätzten 11,5 Milliarden Euro.

EU einigt sich mit Japan über Freihandelsabkommen

Kurz vor Beginn des G20-Gipfels gibt es eine „grundsätzliche Einigung“ für Jefta: Die EU und Japan haben den Weg für ein umfassende Freihandelsabkommen geebnet.

Inzwischen sind die ggA auch ein wichtiger Bestandteil von EU-Handelsabkommen mit Drittstaaten. In der Vereinbarung mit Japan, bis Ende des Jahres ein neues Freihandelsabkommen abzuschließen, konnten die EU-Verhandlungsführer die ggA von 200 Produkten schützen, erklärt EU-Landwirtschaftskommissar Phil Hogan: „Die EU-Standards für Lebensmittelqualität und Sicherheit sind die schärfsten der Welt und wir haben es geschafft, unsere ggA-Produkte zu schützen sowie ihnen vollen oder verbesserten Marktzugang zu verschaffen.“

Frankreich am stärksten von Produktfälschungen betroffen

Allerdings bereiten gefälschte Produkte Vielen in Brüssel Kopfzerbrechen. Nach Angaben des EU-Amtes für Geistiges Eigentum (EUIPO), waren 9 Prozent aller ggA-Produkte auf dem EU-Markt im Jahr 2014 gefälscht. Dies entspricht einem Wert von 4,3 Milliarden Euro.

Am stärksten betroffen war französischer Wein. Der Marktwert gefälschter Produkte in Frankreich lag insgesamt bei 1,6 Milliarden Euro, gefolgt von Italien (682 Millionen Euro), Deutschland (598 Millionen), Spanien (266 Millionen) und Griechenland (235 Millionen).

In einem neuen Bericht über Produktfälschungen warnte Europol, die Situation könne sich verschlimmern: „Der Wert von Waren mit gefälschten Etiketten mit geografischen Angaben bleibt hoch. Dabei sind die Original-Produzenten in Ländern wie Deutschland, Spanien, Frankreich, Italien und Griechenland am meisten betroffen.“ Die meisten gefälschten Produkte stammen aus China. Auch die Türkei wird als wichtiger Umschlagplatz angesehen.

Vier Erfolgsgeschichten Spaniens: Öl, Wein, Fleisch und Gartenbau

Spaniens Agrarindustrie hat die Finanzkrise dank seiner Exporte umgehen können und sich seit 2008 als wahrer Wirtschaftsmotor entpuppt. Das Wachstum setzt sich fort. Euractiv-Kooperationspartner EFEAgro berichtet.

Europol warnte auch, dass geistiges Eigentum möglicherweise nicht ausreichend geschützt werde. Da man sich verstärkt auf andere Formen des Verbrechens und des Terrorismus fokussiere, seien Geistige Eigentumsrechte derzeit keine Durchsetzungspriorität. „Dennoch bleiben solche Verbrechen eines der lukrativsten kriminellen Unterfangen. Der Report zeigt auch, dass sie oftmals mit anderen schweren Verbrechen in Zusammenhang stehen,“ notiert der Bericht.