EU-Grundrechteagentur: Kriminelle Ausbeutung von Arbeitskräften in Europa weit verbreitet

Die Entsenderichtlinie könnte die Rechte von Arbeitnehmern im EU-Ausland stärken. [Foto: dpa]

Arbeitszeiten von zwölf Stunden und mehr, Dumping-Löhne von unter einem Euro – Ausbeutung am Arbeitsplatz gehört in Europa zum Alltag, erklärt die EU-Grundrechteagentur in einem aktuellen Bericht.

In einigen Branchen wie dem Hotel- oder Baugewerbe werden Arbeitskräfte in der EU einer neuen Studie zufolge häufig ausgebeutet. Gemeinsam sei vielen Fällen der sehr niedrige Lohn, manchmal von einem Euro pro Stunde und weniger, sowie die langen Arbeitszeiten von zwölf Stunden und mehr an sechs oder sieben Tagen in der Woche, heißt es in dem Bericht der EU-Grundrechteagentur, der am Dienstag in Wien und Brüssel vorgestellt wurde.

„Wie die Ergebnisse zeigen, ist die kriminelle Ausbeutung von Arbeitskräften in einer Reihe von Wirtschaftszweigen weit verbreitet, vor allem in der Landwirtschaft, im Bauwesen, in der Hotellerie und Gastronomie, in der Hausarbeit und dem verarbeitenden Gewerbe“, erklärte die Grundrechteagentur. Die Täter trügen dabei nur ein geringes Risiko, strafrechtlich verfolgt zu werden oder die Opfer entschädigen zu müssen. Oft hätten die Betroffenen Angst, Anzeige zu erstatten, weil sie ihre Arbeit dann verlieren könnten.

Die Studie nimmt die Arbeitssituation von Einwanderern und EU-Bürgern, die innerhalb Europas umziehen, unter die Lupe. Die rechtliche und institutionelle Lage wird für alle 28 EU-Staaten analysiert, Feldforschung wurde allerdings nur in 21 Ländern betrieben.

Umfassende länderspezifische Analysen enthält der Bericht nicht. Allerdings tauchen bestimmte Staaten in kurzen Fallstudien auf. So sei beispielsweise ein Pole auf einer deutschen Baustelle zugleich beim Generalunternehmer und einem Subunternehmen beschäftigt gewesen. „Es war eine Herausforderung, in diesem Fall herauszufinden, wer für ausstehende Bezahlung verantwortlich war.“

Der Interims-Direktor der Grundrechteagentur, Constantinos Manolopoulos, mahnte die EU-Staaten, stärker zu handeln. „Die Ausbeutung von Arbeitskräften, die durch ihre wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse gezwungen sind, sich auf unwürdige Arbeitsbedingungen einzulassen, ist nicht akzeptabel“, erklärte er.

Dem schloss sich die IG Bau an. Dass Menschen in Deutschland und anderen EU-Ländern ausbeutet würden, sei beschämend, erklärte Gewerkschaftschef Robert Feiger in Frankfurt am Main.