EU gibt grünes Licht für Air-Berlin-Kredit

Air Berlin kann erstmal weiterfliegen. [shutterstock]

Das 150 Millionen Euro schwere Überbrückungsdarlehen für die Airline sei geprüft und genehmigt worden, teilte die EU-Kommission am Montag mit.

Dadurch solle die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft in die Lage versetzt werden, in den kommenden Monaten bis zum Abschluss der Verhandlungen weiterzufliegen. „Durch den Kredit soll die geordnete Abwicklung der zahlungsunfähigen Fluggesellschaft Air Berlin gewährleistet werden, ohne den Wettbewerb im Binnenmarkt übermäßig zu verfälschen“, heißt es bei der Kommission.

Deutschland stellt die Kreditlinie zur Verfügung, ist aber auf Zustimmung aus Brüssel angewiesen. Air Berlin selbst und Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries begrüßten die Entscheidung.

Konkurrent Ryanair hingegen hatte sich über den Staatskredit beklagt. Der Vorsitzende Michael O’Leary warf der Bundesregierung ein abgekartetes Spiel vor, um das Gros von Air Berlin möglichst billig dem deutschen Marktführer Lufthansa zuzuschanzen.

Die EU-Kommission wies der Vorwurf der staatlichen Beihilfe für den konkreten Fall zurück: „Auf der Grundlage der von der Kommission erlassenen Leitlinien für Rettungs- und Umstrukturierungsbeihilfen können die Mitgliedstaaten in Schwierigkeiten befindliche Unternehmen unterstützen, sofern die öffentliche Förderung in Zeit und Umfang begrenzt ist und zu einem Ziel von gemeinsamem Interesse beiträgt.“

Air Berlin musste Mitte August nach jahrelangen Verlusten Insolvenz anmelden. Zuvor hatte die arabische Fluglinie Etihad, die die Berliner mit Geldspritzen in der Luft hielt, den Geldhahn zugedreht. Seitdem wird händeringend nach Käufern gesucht. Derzeit gilt Platzhirsch Lufthansa als aussichtsreicher Bieter. Zu den weiteren Interessenten zählen die britische Easyjet und der deutsche Ferienflieger Condor. Auch der ehemalige Energie-Topmanager Utz Claassen hat laut einem “Spiegel”-Bericht ein Auge auf Air Berlin geworfen – ebenso der Berliner Unternehmer Alexander Skora, der internationale Investoren ins Boot holen will.

Gute Chancen für Arbeitsplätze bei Air Berlin

Der Generalbevollmächtigte der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin ist zuversichtlich, dass die Arbeitsplätze der meisten der 8600 Mitarbeiter gerettet werden können.

Voraussichtlich wird Air Berlin aufgesplittet und auf mehrere Airlines verteilt. „Wir haben mit mehr als zehn Interessenten gesprochen, darunter mit mehreren Fluglinien“, sagte Konzernchef Thomas Winkelmann der „Bild am Sonntag“. Namen nannte er nicht. „Es wird nicht einen, sondern zwei oder drei Käufer geben.“ Auch die Wettbewerbsbehörde hatte sich eingeschaltet und sich gegen einen Verkauf an einen einzigen Bieter ausgesprochen.

Skora will Air Berlin wieder auf Strecken wie nach Mallorca stark machen und ein flexibles Ticketmodell mit Auktionen einsetzen. “Für die Langstrecken sehe ich Lufthansa und für weitere Europa-Verbindungen Easyjet in der Verantwortung. So kann Air Berlin langsam nach und nach wieder wachsen”, sagte Skora zu Reuters.

Bis zum 15. September sammeln die Air-Berlin-Insolvenzverwalter verbindliche Angebote von Investoren ein. Verhandlungskreisen zufolge könnte bestenfalls bereits am 21. September feststehen, wer welche Teile von Air Berlin bekommt. Das Unternehmen muss aufs Tempo drücken, da die finanziellen Mittel begrenzt sind. Um die Kosten zu drücken, wurde bereits beschlossen, verlustträchtige Langstreckenflüge in rund vier Wochen einzustellen.