EU-Autobauer wollen „weniger ambitionierte“ Elektroauto-Ziele in China

A new German law hopes to make it more attractive to drive electric cars in Germany. [EON Vertrieb/Flickr]

Die europäischen Autofirmen spüren "den heißen Atem der chinesischen Konkurrenz im Nacken". [EON Vertrieb/Flickr]

Die europäische Autoindustrie sieht sich bei Elektroautos mit wachsender Konkurrenz aus China konfrontiert. Internationale Autobauer haben sich zusammengeschlossen, um Peking von einem „weniger ambitionierten“ Plan zu überzeugen.

Laut einem neuen Vorschlag der chinesischen Regierung soll der Anteil der Elektro- und Hybridautos am Gesamtverkauf im Jahr 2025 bei mindestens einem Fünftel liegen. Dafür müssten ab 2018 schrittweise erhöhte Ziele erreicht werden. Peking sieht die ambitionierten Pläne auch als Möglichkeit für die heimischen Autobauer, zu internationalen Wettbewerbern aufzuschließen, die im Bereich der Verbrennungsmotoren einen jahrzehntelangen Vorsprung haben.

Die europäische Autohersteller-Vereinigung ACEA bestätigte auf Nachfrage von EURACTIV.com, dass sie zusammen mit anderen Verbänden vergangenen Monat einen Brief unterzeichnet hat, in dem die vorgeschlagenen chinesischen Ziele als „zu ambitioniert“ bezeichnet werden. Andere Unterzeichner sind Autoverbände aus den USA, Japan und Südkorea.

Die europäischen Firmen spürten „den heißen Atem der chinesischen Konkurrenz im Nacken“, da letztere bei E-Autos enorme Fortschritte gemacht und einige europäische Hersteller überholt hätten, so eine Quelle aus der Autoindustrie gegenüber EURACTIV. Beim Bau von anspruchsvollen Turbo-Verbrennungsantrieben würde es für chinesische Firmen „noch ewig dauern, bis sie beispielsweise mit Audi konkurrieren könnten“. Bei Elektromotoren, die vergleichsweise einfach zu bauen sind, sei dies anders – „die einzige Herausforderung sind die Batterien.“

Die Quelle erklärte weiter: „Die Chinesen entwickeln sich sehr schnell und können demnächst auf den europäischen Markt vorstoßen…China wird bald fähig sein, Autos zu bauen, die den europäischen Standards entsprechen. Ich glaube, der ‚Autokrieg‘ beginnt jetzt.”

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Auch im ersten Quartal 2017 hat die europäische Autoindustrie den positiven Trend der vergangenen drei Jahre fortgesetzt und sowohl die Gesamtabsätze als auch die Exporte erhöht, teilte die ACEA in einem Bericht am 26. Juni mit. Außerdem sei der Anteil von Dieselfahrzeugen bei Pkw weiter gefallen, während die Zahl der elektrischen Fahrzeuge um 30 Prozent stieg.

In Bezug auf den Aufruf an die chinesische Regierung erklärte ACEA gegenüber EURACTIV: „Das Ziel der vier unterzeichnenden Organisationen ist es, ihre globalen Erfahrungen und ihr Wissen zu teilen und so zur Verbesserung der vorgeschlagenen Regeln für Elektroautos beizutragen.“ Sie hätten ihre Bedenken ausgedrückt und den verantwortlichen chinesischen Ministern „mehrere Vorschläge gemacht, damit die Gesetzgebung so effektiv wie möglich ist, damit die Ziele erhöhter Kraftstoffeffizienz und reduzierter Treibhausgasemissionen erreicht werden können.“

Ein ACEA-Vertreter unterstrich, der Brief sei kein Zeichen der Verängstigung oder eines Versuches, chinesische Entscheidungen umzukehren: „Wir haben lediglich einige Vorschläge gemacht – freundlich und respektvoll.“ Laut Informationen von Reuters steht im Brief allerdings auch, die vorgeschlagenen neuen Ziele in China seien „nicht erreichbar“. Sie müssten um mindestens ein Jahr verschoben werden, und weitere „flexible Optionen“ sollten hinzugefügt werden.

Außerdem rufen die Autoverbände China dazu auf, einige Strafen für das Nichterreichen der Ziele zu überdenken. Dazu gehören im Extremfall Einfuhr- und Produktionsverbote für alle konventionellen Fahrzeuge.

Darüber hinaus müssten heimische und ausländische Produzenten auf dem chinesischen Markt gleich behandelt werden. Bisher sind ausländische Marken von einem Teil der Subventionen für E-Autos und Batterien ausgeschlossen. Diese „Bevorzugung der heimischen Unternehmen untergräbt die Umweltziele der chinesischen Regularien. Durch sie haben importierte Fahrzeuge einen Wettbewerbsnachteil. Außerdem riskiert China damit neue Streitigkeiten im globalen Handel”, warnten die internationalen Autobauer.