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03/12/2016

Einkaufstour von chinesischen Investoren in Deutschland auf Rekordniveau

Finanzen und Wirtschaft

Einkaufstour von chinesischen Investoren in Deutschland auf Rekordniveau

Chinesische Investoren sind in Deutschland auf Einkaufstour.

[John Lloyd/Flickr]

Allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres haben chinesische Unternehmen fast genau so viele deutsche Firmen gekauft oder sich an ihnen beteiligt wie im Gesamtjahr 2015.

Sie investierten zwischen Januar und Juni hierzulande 10,8 Milliarden US-Dollar (9,75 Milliarden Euro) und damit mehr als 20-mal so viel wie im gesamten Vorjahr, wie die
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY) am Donnerstag mitteilte. Insgesamt stiegen sie demnach in 37 Unternehmen ein oder kauften sie ganz. 2015 waren es insgesamt 39 Firmen.

In Europa kauften oder beteiligten sich Chinesen laut EY im ersten Halbjahr an 164 Unternehmen. Damit dürfte der bisherige Ganzjahresrekord aus dem Jahr 2015 mit Investitionen in 183 Unternehmen in Europa „deutlich überboten“ werden. Die Zukäufe hatten demnach im ersten Halbjahr einen Wert von 72,4 Milliarden Dollar – nach knapp 40 Milliarden Dollar im Gesamtjahr 2015.

„Chinesische Unternehmen blicken auf ihrer Suche nach Akquisitionen bereits seit geraumer Zeit intensiv auf Europa und insbesondere auf Deutschland“, erklärte EY-Partner Alexander Kron. Diese Entwicklung werde verstärkt, weil hierzulande und in Europa viele Investoren ihre Beteiligungen abstoßen wollten und chinesische Investoren durch das nachlassende Wachstum in ihrem Land verstärkt im Ausland nach Übernahmezielen suchten.

In Deutschland sind bei chinesischen Unternehmen Industrieunternehmen besonders begehrt. Um sie ging es bei fast der Hälfte der im ersten Halbjahr getätigten Zukäufe, wie EY weiter mitteilte. In Europa stehen demnach vor allem Technologie- und Energieunternehmen im Fokus.

Besonderes Aufsehen erregte in den vergangenen Monaten das Übernahmeangebot des chinesischen Hausgeräteherstellers Midea an den Augsburger Roboterbauer Kuka. Midea will seine Beteiligung an Kuka von ursprünglich 13,5 Prozent deutlich ausweiten und besaß bis Anfang Juli bereits fast 60 Prozent.

Das noch bis zu diesem Freitag laufende Angebot löste Bedenken aus, dass wichtige Zukunftstechnologien von Europa nach Asien abwandern und sensible Kundendaten in fremde Hände geraten könnten. Inzwischen sicherte Midea Kuka eine Standort- und Arbeitsplatzgarantie bis 2023 zu.