Dieselpakt: Ergebnis ungenügend, Verbraucher verunsichert

Diesel-Gipfel Dieselskandal

Die Stickoxid-Werte sind weiter zu hoch - auch nach dem Diesel-Gipfel. [Prasit Rodphan/shutterstock]

Politik und Autoindustrie wollen mit einem Dieselpakt die Abgase verringern, Fahrverbote vermeiden und Deutschlands Schlüsselindustrie stützen.

Dafür sollen weitere Diesel per Software nachgerüstet und die Städte mit Hilfe des Bundes im Kampf gegen Stickoxide (NOx) gestärkt werden, beschloss der Dieselgipfel am Mittwoch in Berlin. Die Autobranche will mit Abwrackprämien besonders alte Diesel von der Straße holen und durch moderne ersetzen.

Ob das beschlossene Paket ausreicht, um Fahrverbote zu verhindern, ist allerdings offen. Teure aber effektivere Motor-Nachrüstungen wurden nicht vereinbart. Zudem ist der Beitrag der ausländischen Hersteller, die gut ein Viertel der Diesel stellen, offen.

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Insgesamt will die deutsche Autobranche 5,3 Millionen Diesel der Abgasnormen Euro-5 und Euro-6 mit Software-Updates ausstatten. Eingerechnet sind dabei die 2,5 Millionen Volkswagen, die wegen der Abgasmanipulationen schon zurückgerufen wurden. Der NOx-Ausstoß dieser Autos soll so um 25 bis 30 Prozent bis Ende 2018 gesenkt werden. Nach Angaben des Branchenverbandes VDA kostet dies 500 Millionen Euro. Nachrüstsysteme am Motor kosten je Auto mehr als das Zehnfache.

Ärger über die Automobilindustrie

„Wir haben an die Verantwortung der Automobilindustrie erinnert und eine neue Verantwortungskultur eingefordert“, sagte Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) mit Blick auf die Skandale um manipulierte Abgassysteme und die erhöhten NOx-Werte in Städten. Er äußerte sich über die Verweigerung der Importeure verärgert: „Das Verhalten der ausländischen Hersteller ist völlig inakzeptabel.“ Dennoch sei man dem Ziel, Fahrverbote zu verhindern, einen großen Schritt nähergekommen.

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Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) äußerte sich trotz der Einigung auch über die deutsche Industrie verärgert. Erklärungen der Branche mangele es an Demut und Einsicht. „Wer bei Marktwirtschaft Ja sagt, darf bei Unternehmensversagen nicht Nein sagen.“ Die Software-Lösungen allein reichten nicht. Auch Umrüstungen am Motor müssten ins Auge gefasst und von Experten diskutiert werden. Die Hersteller halten dies für technisch kaum umzusetzen.

Ergebnisse völlig unzureichend

Umweltverbände kritisierten das Ergebnis des Gipfels als völlig unzureichend. Die Deutsche Umwelthilfe kündigte an, ihre Klagen weiter zu verfolgen und bezeichnete Fahrverbote als unvermeidlich. Skepsis, ob Software-Lösungen ausreichen, hatte auch ein Urteil des Verwaltungsgerichtes Stuttgart am Freitag geweckt. Die Richter sehen Fahrverbote auch mit Nachrüstungen als kaum vermeidbar. Diesel-Pkw tragen in Städten etwa zu 40 Prozent zur NOx-Belastung bei, die für Atemwegserkrankungen verantwortlich gemacht wird.

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Um die Luft in den Ballungsräumen zu verbessern, will sich laut der Vereinbarung auch der Bund engagieren: Zusammen mit der Industrie soll je zur Hälfte ein Fonds von 500 Millionen Euro für die 28 am stärksten belasteten Kommunen aufgelegt werden. Damit sollen die Städte einen Masterplan mit intelligenten Verkehrs- und Mobilitätslösungen umsetzen. Darüber hinaus soll das Förderprogramm für den Kauf von Taxen und Bussen mit Elektroantrieb ausgeweitet werden.

Verbraucher schlagen einen großen Bogen um Dieselautos

Teuer könnte für die Branche daher vor allem der Vertrauensverlust werden. Im Juli schrumpften die Neuzulassungen von Selbstzündern um fast 13 Prozent, wie das Kraftfahrt-Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Dagegen legten Verkäufe von Benzinern erneut deutlich zu. Ihr Anteil am Pkw-Markt liegt inzwischen bei 56 Prozent, während Dieselautos nur noch etwas mehr als 40 Prozent ausmachen. Vor der Diesel-Krise war es umgekehrt. Die Verunsicherung der Verbraucher wegen der Diskussion über Fahrverbote schlägt sich seit Monaten in sinkenden Verkaufszahlen nieder.

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Für ältere Diesel soll es daher eine Art Abwrackprämie geben, die die Hersteller bezahlen. Damit könnte der Absatzrückgang abgefedert werden. Ford war am Dienstag vorgeprescht: Halter älterer Diesel – egal welcher Marke – erhalten einen „Umweltbonus“ zwischen 2000 und 8000 Euro, wenn sie einen Neuwagen von Ford kaufen. BMW und Toyota zog mit ähnlichen Angeboten nach. Die anderen deutschen Hersteller wollen folgen.

Experten rechnen jedoch damit, dass die Skepsis gegenüber dem Dieselantrieb vorerst bleiben wird. Die Zurückhaltung der Käufer werde so lange anhalten, bis zweifelsfrei geklärt sei, welche Zukunft der Diesel-Pkw in Deutschland habe, sagte Peter Fuß von der Beratungsfirma EY. „Erst wenn das Problem des im Realbetrieb zu hohen Schadstoffausstoßes nachhaltig und glaubhaft gelöst ist und Fahrverbote vom Tisch sind, wird sich die Nachfrage nach Diesel-Modellen stabilisieren.“

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