Dieselgate: Brüssel und VW wollen Vertrauen in Autoindustrie wiederherstellen

EU-Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska. [EC]

In der Affäre um manipulierte Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen von Volkswagen hat die EU-Kommission eine umfassende Aufklärung gefordert. Der Abgas-Skandal breitet sich unterdessen immer mehr aus.

„Die derzeitige Situation muss vollständig erklärt und untersucht werden“, schrieb EU-Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska am Dienstagabend nach einem Treffen mit VW-Markenvorstand Herbert Diess über den Kurznachrichtendienst Twitter. Beide Seiten waren sich laut einer Kommissionssprecherin einig, „dass die Wiederherstellung des Vertrauens in die europäische Autoindustrie von höchster Bedeutung ist“.

Der Abgas-Skandal breitet sich unterdessen immer mehr aus. In Frankreich sind einem Bericht des Senders TF1 zufolge möglicherweise mehr als 900.000 Autos betroffen. Darunter seien VW-, Audi- und Skoda-Modelle. In Belgien sind es nach Angaben eines Autoimporteurs knapp 400.000 Diesel-Fahrzeuge. VW weitet zudem seine interne Überprüfung auf Brasilien aus. Dabei gehe es um den Kleinlaster Amarok, sagte der dort für Regierungsangelegenheiten zuständige VW-Manager Antonio Megale. Grundsätzlich komme die umstrittene Technik in Brasilien nicht zum Einsatz. „Aber wir müssen das trotzdem bestätigen.“

In Spanien zahlt VW Subventionen zurück. Dazu habe sich der Konzern bereiterklärt, teilte das Industrieministerium des Landes mit. Spanien hatte Verbraucher beim Kauf eines schadstoffarmen Autos mit 1.000 Euro je Fahrzeug unterstützt.

Der Abgas-Skandal war durch Überprüfungen bei VW-Dieselfahrzeugen in den USA ausgelöst worden. Dort hatte die Umweltbehörde EPA öffentlich gemacht, dass Abgastests manipuliert worden waren. Mit Hilfe einer speziellen Software wurden im Testbetrieb deutlich weniger gesundheitsschädliche Stickoxide gemessen als im normalen Fahrbetrieb. Volkswagen zufolge wurde die Software weltweit in rund elf Millionen Diesel-Fahrzeuge eingebaut. Solche „defeat devices“ („Abschalteinrichtungen“) genannten Vorrichtungen sind seit 2007 auch in der EU ausdrücklich verboten.

Bei dem Treffen mit VW-Markenvorstand Diess sei es noch nicht darum gegangen, Schlüsse aus der Affäre zu ziehen, erklärte die Kommissionssprecherin. „Es ging darum, die Fakten festzustellen – wie viele Fahrzeuge betroffen sind, seit wann und in welchen Ländern.“ Die Kommission verlangte demnach erneut die „volle Kooperation“ von Volkswagen mit den zuständigen nationalen Behörden bei der Aufklärung der Affäre.

Bienkowska forderte zudem die EU-Mitgliedstaaten und die gesamte Autoindustrie auf, die EU-weite Einführung eines neuen Testverfahrens für Abgasemissionen bei Dieselautos zu unterstützen. Dieser Real Driving Emissions (RDE) genannte Test soll ab Januar schrittweise eingeführt werden. Dabei wird der Stickoxid-Ausstoß unter echten Fahrbedingungen und nicht im Labor gemessen. Dieser Test sei „robuster“ als die bisherigen Labortests und könne „das Risiko, dass Testergebnisse in Zukunft manipuliert werden, minimieren“, erklärte die Kommissionssprecherin. Der CO2-Ausstoß wird aber auch bei Dieselfahrzeugen weiter unter Laborbedingungen getestet.