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27/07/2016

Deutschland und Dänemark größte Nutznießer vom EU-Binnenmarkt

Finanzen und Wirtschaft

Deutschland und Dänemark größte Nutznießer vom EU-Binnenmarkt

Durch den EU-Binnenmarkt ist laut einer Bertelsmann-Studie das Einkommen der deutscher Bürger jährlich um 450 Euro gestiegen. Foto: Uli Harder (CC BY-NC-SA 2.0)

20 Jahre nach Einführung des EU-Binnenmarktes steht Europa wohlhabender da als je zuvor. Von dem zunehmenden wirtschaftlichen Zusammenwachsen hat laut einer Bertelsmann-Studie besonders Deutschland profitiert: Von 1992 bis 2012 stieg das deutsche Bruttoinlandsprodukt um zusätzlich 37 Milliarden Euro.

Die europäische Integration hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren durchweg positiv auf das Wirtschaftswachstum der EU-Mitgliedsstaaten ausgewirkt. Die Hauptgewinner sind laut einer am heutigen Montag veröffentlichten Studie der Bertelsmann Stiftung Dänemark gefolgt von Deutschland.

Der EU-Binnenmarkt habe Deutschlands Wirtschaftsleistung um durchschnittlich 37 Milliarden Euro zusätzlich nach oben getrieben, so die Studie. Das entspreche einem jährlichen Einkommensgewinn von 450 Euro pro Einwohner. Mit einem Zusatzgewinn von rund 500 Euro im Jahr je Einwohner habe nur Dänemark noch stärker profitiert.

Ein primäres Ziel des 1992 vollendeten europäischen Binnenmarkts war die Steigerung des wirtschaftlichen Wohlstands der Bürger. Diese Erwartung habe der Binnenmarkt erfüllt, meint Thieß Petersen, Wirtschaftsexperte der Bertelsmann-Stiftung. “Der EU-Binnenmarkt ist das Herzstück der europäischen Integration und beschleunigt das Wirtschaftswachstum in allen Mitgliedsstaaten”, sagt Petersen. 

Die Studie der Schweizer Prognos AG im Auftrag der Bertelsmann Stiftung untersucht die Wachstumseffekte des europäischen Binnenmarktes für den Zeitraum 1992 bis 2012 auf die Volkswirtschaften von 14 der 15 Länder, die 1992 bereits Mitgliedsstaaten der EU waren (außer Luxemburg). Das Zusammenwachsen Europas habe sich auf diese Länder grundsätzlich positiv ausgewirkt, jedoch mit starken Unterschieden. So habe der Binnenmarkt besonders jenen Ländern geholfen, die wirtschaftlich sehr eng mit den anderen EU-Ländern verflochten seien.  

Während nord- und zentraleuropäische Länder an der Spitze liegen, sind die Gewinne in südlichen EU-Ländern geringer. So liegt der durchschnittliche jährliche Einkommenszuwachs aufgrund zunehmender europäischer Integration in Italien bei 80, in Spanien und Griechenland bei 70 und in Portugal bei 20 Euro pro Einwohner.

 
Der Europäische Binnenmarkt trat 1993 in Kraft. Sein Fundament sind die vier Grundfreiheiten – der freie Verkehr von Waren, Personen, Dienstleistungen und Kapital. 
 
Doch laut den Forschern der Studie ist der Binnenmarkt noch nicht abgeschlossen: Während der gemeinsame Markt für Waren bereits sehr gut funktioniere, gebe es im Dienstleistungsbereich Nachbesserungsbedarf. So machten Dienstleistungen gegenwärtig rund 70 Prozent des europäischen Bruttoinlandsprodukts aus, aber nur 20 Prozent des grenzüberschreitenden Handels zwischen den EU-Ländern. 
 
Geeignete Maßnahmen zur Förderung der grenzüberschreitenden Versorgung mit Dienstleistungen innerhalb der EU wären eine bessere Standardisierung von Dienstleistungen und die vollständige Umsetzung der Dienstleistungsrichtlinie, erklären die Forscher.  
 
Die Arbeitsmobilität innerhalb der EU erhöhen könnten die schnelle und unbürokratische Anerkennung der im Heimatland erworbenen Qualifikationen und Abschlüsse, bessere grenzüberschreitende Informationen über Stellenangebote und eine erleichterte Mitnahme von Ansprüchen in der Sozialversicherung.