Deutsche Wirtschaft boomt – gemessen am Rest der Eurozone

Die Exporte sind die Triebfeder der deutschen Wirtschaft. [Adam Jenkins/Flickr]

Die deutsche Wirtschaft bleibt durch ihre Exporterfolge die Konjunkturlok Europas. 0,8 Prozent Quartalswachstum reichen derzeit, um sich in der Währungsunion diesen Titel zu erwirtschaften.

Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im dritten Quartal mit 0,8 Prozent überraschend kräftig, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. “Die deutsche Volkswirtschaft befindet sich im Höhenflug”, sagte DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle. “Zu verdanken ist das der für deutsche Verhältnisse atemberaubend stabilen Binnennachfrage und dem Anziehen der Weltkonjunktur.” In der Europäischen Union wie auch in der Euro-Zone fiel der Zuwachs mit 0,6 Prozent geringer aus.

“Wir erleben einen Aufschwung auf breiter Basis”, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben. Das 13. Quartalswachstum in Folge fiel überraschend stark aus: Ökonomen hatten erwartet, dass es zwischen Juli und September wie schon im zweiten Quartal bei 0,6 Prozent liegt. Im ersten Vierteljahr hatte es zu 0,9 Prozent gereicht.

Weltmeisterlich: Deutsche Exporte legen weiter zu

Der deutsche Außenhandel hat im Mai stark angezogen.

Das Wirtschaftsministerium erwartet “eine rege Fortsetzung des Aufschwungs im Jahresschlussquartal”. Dafür spricht die jüngste Umfrage unter Börsianern: Deren Konjunkturerwartungen legten im November erneut zu, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) bei seiner Umfrage unter Analysten und Anlegern herausfand.

Von den großen Volkswirtschaften der Euro-Zone schaffte nur Spanien ein so kräftiges Wachstum, in Frankreich und Italien fiel es mit jeweils 0,5 Prozent etwas geringer aus. “Deutschland bleibt Zugpferd, bekommt aber mehr und mehr Unterstützung”, sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner.

Impulse kamen im Sommer aus dem Ausland. “Die Exporte legten im dritten Quartal stärker zu als die Importe”, betonte das Statistikamt. Grund ist die verbesserte Weltkonjunktur und nicht zuletzt der Aufschwung in der Eurozone, in die rund 37 Prozent der deutschen Ausfuhren gehen. Wie stark die Unternehmen vom anziehenden Welthandel profitierten, zeigt der Hamburger Hafen- und Logistikkonzern HHLA: Er steigerte seinen Betriebsgewinn in den ersten neun Monaten um fast ein Viertel.

EU-Wachstumsprognose – schlechtere Aussichten für Großbritannien

Die Länder der Eurozone werden in diesem Jahr mit 2,2 Prozent voraussichtlich ihr stärkstes Wachstum seit zehn Jahren verzeichnen.

Gerade die steigenden Exportüberschüsse Deutschlands sind jedoch häufig Gegenstand internationaler Kritik. Schließlich basieren sie auf im Verhältnis zur Produktivität relativ niedrigen Löhnen. Das schwächt einerseits die Binnennachfrage und erhöht andererseits den Druck auf ausländische Märkte. Denn alles was irgendwo exportiert wird, muss andernorts importiert werden und verursacht dort Defizite. Vor allem Südeuropa hatte sehr unter dem strukturellen Außenhandelsüberschuss Deutschlands gelitten, was eine der Ursachen der Eurokrise war.

Die meisten Experten erwarten eine jedenfalls eine Fortsetzung des deutschen Booms. “Aufgrund günstiger Rahmenbedingungen wird das hohe Wachstumstempo vorerst anhalten”, sagte der Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe, Alexander Krüger. Dazu zählen niedrige Zinsen und auch die geringe Inflation, die die Kaufkraft der Verbraucher stärkt. Im Oktober sank die Teuerungsrate auf 1,6 Prozent, nachdem sie in den beiden Vormonaten bei 1,8 Prozent lag. Sie verharrt damit unter dem Zielwert der Europäischen Zentralbank von knapp zwei Prozent.