Deutsche Unternehmen sehen Brexit entspannt entgegen

Unter deutschen Unternehmen zeigt sich ein verhaltener Optimismus, wenn es um den Brexit geht. [Foto: EP]

Gibt es eine „German Angst“ vor dem Brexit? Einer aktuellen Umfrage zufolge, nehmen deutsche Unternehmen den bevorstehenden Austritt Großbritanniens aus der EU eher gelassen.

Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) befragte 2.900 deutsche Unternehmen, wie sie die Auswirkungend des Brexit auf ihre Geschäfte beurteilen. Die heute veröffentlichten Ergebnisse zeigen: Nur zwei bis drei Prozent der Firmen fürchten negative Auswirkungen auf Produktion, Investitionen und Beschäftigtenzahlen. Dagegen erwarten mehr als 90 Prozent von ihnen keine oder nur geringe Auswirkungen.

Vor dem britischen Referendum sah das Verhältnis zwischen Skeptikern und Optimisten ganz anders. Wie  eine Umfrage des Münchner Ifo-Institut damals zeigte, erwarten lediglich ein Prozent der befragten Unternehmen positive Effekte durch einen Brexit. Unter den Firmen mit mehr als 500 Beschäftigten rechneten sogar 53 Prozent mit negativen Auswirkungen.

Verhaltener Optimismus ohne Panik

Ein Grund für die eher entspannte Haltung könnten die positiven Prognosen für das deutsche Wirtschaftswachstum sein. Trotz aller Krisen – Deutschlands Wirtschaft boomt. Wie das Statistische Bundesamt heute mitteilte, stieg das deutsche Bruttoinlandsprodukt im vergangenen Jahr um 1,9 Prozent und damit so stark wie seit 2011 nicht mehr. Deutschlands Verbraucher konsumierten tüchtig. Rekordbeschäftigung, steigende Löhne sowie billiges Tanken und Heizen taten das ihrige.

Und so sieht selbst der Handel seine Geschäfte durch einen Brexit nur wenig beeinträchtigt. Laut aktueller IW-Umfrage rechnen nur knapp zehn Prozent der Befragten damit, deutlich weniger Güter nach Großbritannien zu liefern. Weitere rund 30 Prozent erwarten leicht rückläufige Exporte.

Mehr noch, unter deutschen Unternehmen zeigt sich ein verhaltener Optimismus, wenn es um den Brexit geht. Laut IW erhofft sich fast ein Viertel der Unternehmen positive Effekte durch den britischen EU-Austritt. Der Grund: Käufer könnten wegen möglicher Handelsbarrieren nicht länger bei der britischen Konkurrenz kaufen, sondern bei ihnen. „Doch zu einem solchen harten Brexit wird es nach Einschätzung der Unternehmen gar nicht kommen“, heisst es bei IW. „Sechs von zehn Firmen gehen laut Umfrage davon aus, dass es am Ende auf einen weichen Brexit hinausläuft, die Handelsbeziehungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU also nicht allzu stark eingeschränkt werden.“