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07/12/2016

Deutsche Industrie zählt zu den Globalisierungsgewinnern

Finanzen und Wirtschaft

Deutsche Industrie zählt zu den Globalisierungsgewinnern

Die deutsche Industrie zählt laut einer aktuellen Studie zu den Gewinnern der Globalisierung. Frankreich und Großbritannien hinken hinterher.

Wegen ihrer engen internationalen Verflechtung zählt die deutsche Industrie zu den Gewinnern der Globalisierung. Dies ist das Ergebnis einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) für den Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Demnach stieg die industrielle Wertschöpfung in Deutschland zwischen den Jahren 1995 und 2012 um 37 Prozent. Frankreich dagegen kommt lediglich auf ein Plus von rund drei Prozent, Großbritannien von neun Prozent. In Japan ist sogar ein Minus von sieben Prozent zu verzeichnen.

„Der Erfolg der deutschen Industrie beruht in weiten Teilen auf der Offenheit unserer Volkswirtschaft. Als eine der exportstärksten Nationen profitieren wir von einer tiefgehenden Integration der deutschen Industrie in internationale Wertschöpfungsketten“, schreibt BDI-Präsident Ulrich Grillo im Vorwort zur Studie.

Im industriellen Produktionsnetzwerk Europa steht Deutschland im Zentrum, schreiben die Autoren der Studie. Die Sonderrolle des deutschen Verarbeitenden Gewerbes zeigt sich bei der Importquote von Vorleistungen, die zwischen den Jahren 2000 und 2011 von 27,7 Prozent auf 34,6 Prozent gestiegen ist. Von allen innereuropa?ischen Vorleistungsimporten entfallen 21 Prozent auf Deutschland. Unter sogenannten Vorleistungen werden alle Güter und Dienstleistungen verstanden, die bei der Produktion verbraucht werden, wie etwa Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe.

Allerdings hat Deutschland laut Studie Anteilsverluste an der weltweiten industriellen Wertscho?pfung hinnehmen mu?ssen. So sank der Anteil der Bundesrepublik zwischen 1995 und 2012 von 9,2 Prozent auf 6,3 Prozent. Dagegen hat vor allem China auf einen Anteil von 24,4 Prozent zugelegt. Damit lässt die Volksrepublik sogar die USA mit einem Anteil von knapp 20 Prozent hinter sich.

Insgesamt haben die 26 sogenannten etablierten Industriestaaten, zu denen die OECD-Staaten ohne die La?nder Mittel- und Osteuropas und ohne die Tu?rkei gehören, laut Studie deutlich Anteile an der industriellen Wertscho?pfung und dem Welthandel verloren. Der Anteil der etablierten Industriela?nder an der industriellen Wertscho?pfung innerhalb der 50 Staaten, auf die sich die weltweite Wirtschaftskraft konzentriert, sank zwischen 1995 und 2012 von 83,8 Prozent auf 58,7 Prozent. Im Welthandel ging der Anteil der etablierten Industriela?nder an den weltweiten Exporten zwischen den Jahren 2000 und 2012 von 70,4 Prozent auf 55,1 Prozent zuru?ck.

Gleichzeitig konnte die Gruppe der aufholenden Industriela?nder, zu der auch China und die mittel- und osteuropa?ischen Staaten geho?ren, ihren Anteil an den weltweiten Exporten von 14,3 Prozent auf 25,1 Prozent steigern. Allerdings sind die aufholenden Industriela?nder immer noch stark binnenorientiert, wie die Studien-Autoren schreiben. Ihre Exportquote lag im Jahr 2011 bei 18,8 Prozent, wa?hrend sie in den etablierten Industriela?ndern bei 35,9 Prozent lag.

Als Handlungsempfehlungen lassen sich laut Studie „vielfa?ltige Ansa?tze“ ableiten. Dabei sollten drei Dinge gesichert werden: die Wertscho?pfungskette, die Offenheit der Ma?rkte und die Standortqualita?t. Als Handlungsempfehlungen geben die Autoren etwa die Stärkung der Forschungsinfrastruktur, die Einführung einer unbürokratischen steuerlichen Forschungsförderung und eine weitere Öffnung der Märkte aus, um eine Abschottung Europas zu vermeiden. Außerdem solle die EU-Kommission ihren Worten zur Stärkung der Industrie Taten folgen lassen.