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26/09/2016

Deutsche Bank: Schlecht gewappnet gegen Geldwäsche

Finanzen und Wirtschaft

Deutsche Bank: Schlecht gewappnet gegen Geldwäsche

Die Kontrollsysteme der Bank gegen Geldwäsche und Terror-Finanzierung seien zu schwach und wurden zu lange vernachlässigt, so die britische Finanzaufsicht.

[ConstiAB/Flickr]

Die Deutsche Bank muss auf Druck der britischen Finanzaufsicht ihre Abwehrsysteme gegen Geldwäsche und Sanktionsverstöße aufrüsten.

Nach einer Routineprüfung im vergangenen Jahr hat die Financial Conduct Authority (FCA) dem Geldhaus große Versäumnisse vorgeworfen, wie mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen am Montag bestätigten. Die „Financial Times“ hatte zuvor aus einem Brief der FCA an Deutschlands größtes Geldhaus zitiert. „Bei der Deutschen Bank in Großbritannien gab es gravierende systembedingte Mängel zur Verhinderung von Geldwäsche, Terrorismus-Finanzierung und Sanktionsverstößen“, hieß es darin. Hochrangige Manager hätten den Kampf gegen Finanzkriminalität lange Zeit vernachlässigt.

„Wir wissen, wie wichtig dieses Thema ist, und sind entschlossen, die Mängel zu beheben“, erklärte die Deutsche Bank. Das Geldhaus arbeite mit den Behörden zusammen und sei dabei, seine Kontrollsysteme grundlegend zu erneuern. Deutsche-Bank-Manager Werner Steinmüller hat dafür schon im Oktober 2015 hohe Investitionen angekündigt. „Die Anforderungen in diesem Bereich nehmen weltweit zu – das ist für alle Banken eine große Herausforderung“, sagte er damals im Reuters-Interview. Gerade ist die Bank dabei, das Anti-Geldwäsche-System Mantas in den USA, Frankfurt und London aufzurüsten, wie ein Sprecher erklärte. Dafür nehme sie einen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag in die Hand.

Die Deutsche Bank steht weltweit wegen einer Serie von Skandalen im Visier der Behörden. Im vergangenen Jahr bekam das Institut wegen Verstößen gegen US-Sanktionen eine Geldbuße von 258 Millionen Dollar aufgebrummt. Eine höhere Strafe droht der Bank nach Einschätzung von Insidern wegen Verfehlungen in Russland. Die Frankfurter haben Kunden Ermittlern zufolge geholfen, Rubel-Schwarzgeld in Höhe von rund zehn Milliarden Dollar zu waschen. Das Geldhaus sehe gute Chancen, die Affäre zeitnah abzuhaken, sagen zwei mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

Deutsche-Bank-Chef John Cryan hat die Stärkung der Kontrollsysteme nach seiner Amtsübernahme im Sommer 2015 zu einer Priorität erklärt. Nach einem Gespräch mit der FCA kündigte er im November zwei Sofort-Maßnahmen an. In über 100 Ländern mit höherem Risiko wurde die Aufnahme neuer Kunden ausgesetzt. Zudem sollen grundsätzlich nur noch Geschäfte gemacht werden, wenn die Überprüfung von Kunden (Know Your Client, KYC) vollständig abgeschlossen ist. Zuvor liefen Geschäfte und der KYC-Prozess häufig parallel.

 

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