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25/09/2016

Bundeslandwirtschaftsminister will „Milch-Gipfel“ einberufen

Finanzen und Wirtschaft

Bundeslandwirtschaftsminister will „Milch-Gipfel“ einberufen

Der Milchpreis ist erstmals unter die Marke von 20 Cent gefallen.

dpa

Mit der Einberufung eines „Milchgipfels“ will Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) auf den rasanten Preisverfall für Molkereiprodukte reagieren.

Mit den derzeitigen Preisen werde „die Axt an die Existenzgrundlage unserer Bauern angelegt“, sagte Schmidt der „Bild am Sonntag“.  „Deshalb: Der Preis für Milch muss hoch.“

Er werde „alle Beteiligten noch im Mai zu einem Milchgipfel einladen“, kündigte Schmidt an. Er kritisierte: „Im Moment zahlen unsere Bauern allein die Zeche, Handel und Molkereien verdienen weiter.“ Er verfolge das Ziel, Landwirtschaftsverbände, Molkereien und Handelsvertreter an einen Tisch zu bekommen. Der Landwirtschaftsminister sieht aber auch die Kunden in der Verantwortung: „Auch wir Verbraucher können etwas tun, wenn wir nicht immer zur billigsten Milch greifen.“

Zu der Ankündigung von Agrarminister Schmidt, einen „Milchgipfel“ zu veranstalten, erklärt Friedrich Ostendorff (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Sprecher für Agrarpolitik: „Eine weitere Ankündigung auf der langen Liste des Ankündigungsministers. Dass er sich jetzt ernsthaft um die Belange der Milchviehhalter sorgt, nehme ich ihm nicht ab. Warme Worte ändern nichts an der Verzweiflung der bäuerlichen Familien. Ihre Existenzen werden auf dem Weltmarkt verspielt.

Seit über einem Jahr ist die Milchquote abgeschafft, und seitdem wütet der zügellose Markt unter Europas Milcherzeugern. Schmidt hat in dieser Zeit das Drängen und Bitten der Milchbauern ignoriert und wertvolle Zeit verstreichen lassen. Er hätte viel früher Initiativen zur Mengensteuerung anregen müssen. Das war nicht nur Unfähigkeit, sondern auch eine gewollte Bereinigungsmaßnahme.“

Angesichts des Verfalls der Milchpreise fordern die Agrarminister der Länder und die Bauern Hilfen vom Bund. In Deutschland und in ganz Europa wird mehr Milch produziert als nachgefragt. Das drückt die Preise auf ein Niveau, das von vielen Produzenten als ruinös bezeichnet wird. Gründe für den Verfall sind das Auslaufen der Milchquote in der EU vor gut einem Jahr, das Embargo Russlands und eine schwächere Nachfrage aus China.