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28/09/2016

Bundesagentur für Arbeit: Etliche Branchen profitieren von Zuwanderung

Finanzen und Wirtschaft

Bundesagentur für Arbeit: Etliche Branchen profitieren von Zuwanderung

Die Bundesagentur für Arbeit zeigt sich optimistisch zur Entwicklung des Arbeitsmarktes.

Julian Stratenschulte/dpa

Die Bundesagentur für Arbeit erwartet eine stabile Lage am Arbeitsmarkt. Die etwas schwächere Situation im Frühjahr und mehr Flüchtlinge sind keine Vorboten einer Verschlechterung.

„Wir können davon ausgehen, dass der Arbeitsmarkt an sich gut weiterläuft“, sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise iin Nürnberg. Die Frühjahrsbelebung könne „nicht übermäßig“ sein, weil durch den milden Winter weniger Arbeitslosigkeit aufgebaut worden sei. Durch die Flüchtlingszuwanderung werde die Zahl der Arbeitslosen im zweiten Halbjahr steigen. Die BA verzeichnete im März mit 2,845 Millionen Arbeitslosen 66.000 weniger als im Februar. Die Erwerbslosenquote sank leicht auf 6,5 Prozent.

„Wir haben weiterhin die Tendenz, dass es im Arbeitsmarkt etwas besser läuft, als wir eigentlich erwarten“, sagte Weise mit Hinweis darauf, dass sie saisonbereinigte Arbeitslosigkeit in den vergangenen drei Monaten im Schnitt um jeweils 9000 gesunken ist. Im März blieb sie unverändert. Erwerbstätigkeit und sozialversicherungspflichtige Beschäftigung legten weiter zu. So gab es nach BA-Berechnungen zuletzt 31,01 Millionen Beschäftigte und damit 731.000 mehr als ein Jahr zuvor.

„Der weitere Anstieg der Erwerbstätigkeit bestärkt uns in unserer relativ positiven Konjunkturprognose“, sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. Beschäftigungszuwächse seien insbesondere im Einzelhandel, Gastgewerbe und in der Bauwirtschaft zu erwarten. „Diese Branchen profitieren von der Sonderkonjunktur durch die hohe Zuwanderung.“

Anstieg der Arbeitslosigkeit von Flüchtlingen

In der Statistik macht sich bereits bemerkbar, dass immer mehr Flüchtlinge arbeitslos gemeldet sind. Die Zahl der Arbeitslosen aus den acht großen Asylzugangsländern sei im Jahresvergleich um 54.000 auf 123.000 gestiegen, sagte BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker. Allein die Zahl der erwerbslosen Syrer habe um 45.000 zugenommen: „In der zweiten Jahreshälfte wird es richtig hochgehen.“

Für das Gesamtjahr rechnet die BA wegen des voraussichtlich guten ersten Halbjahres laut Weise mit einem leichten Rückgang der Arbeitslosigkeit auf „knapp unter 2,8 Millionen“. Gemessen am Umfeld und an den Risiken sei das „eine sehr, sehr gute Entwicklung im Arbeitsmarkt“. Erst zum Ende des Jahres schlage sich die Fluchtmigration deutlich in der Statistik nieder.

„Der Arbeitsmarkt ist aufnahmefähig, robust und für kommende Herausforderungen gewappnet“, erklärte Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) in Berlin. Die Bundesvereinigung der Arbeitgeber (BDA) forderte, „alle noch bestehenden Hürden“ für den Arbeitsmarktzugang von Flüchtlingen aus dem Weg zu räumen.

Die Grünen warfen Nahles vor, auf „untaugliche Rezepte“ bei der Langzeitarbeitslosigkeit zu setzen. Es seien unverändert über eine Million Menschen länger als ein Jahr arbeitslos. Daran habe sich in Nahles‘ Amtszeit wenig geändert, sagte die Grünen-Politikerin Brigitte Pothmer. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) erklärte, die steigende Zahl von Hartz-IV-Empfängern weise auf „das steigende Verarmungsrisiko von Erwerbslosen“ hin