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01/10/2016

Bulgarien will Gespräche über Euro-Beitritt führen

Finanzen und Wirtschaft

Bulgarien will Gespräche über Euro-Beitritt führen

Bulgarien ist seit 2007 in der EU. Nun will es auch dem Euro beitreten.

© Stephen Mackenzie (CC BY-NC-SA 2.0)

Seit 2007 ist Bulgarien in der EU, nun will die Mitte-Rechts-Regierung das Land auch möglichst bald in die Euro-Zone bringen. Dafür aber muss das ärmste EU-Mitglied noch diverse Mängel angehen.

Die bulgarische Regierung will bald Gespräche über einen Euro-Beitritt beginnen.

Er werde dabei die 19 Euro-Länder fragen, welche strukturellen Anpassungen notwendig sind, damit Bulgarien den Euro-Wartesaal WKM-II betreten darf, sagte Finanzminister Wladislaw Goranow dem Fernsehsender Nova. Bulgarien könne dem WKM II noch während der aktuellen Legislaturperiode beitreten, die bis Ende 2018 läuft, sagte Goranow.

Vor einem Beitritt zum Euro muss ein Land mindestens zwei Jahre dem Wechselkursmechanismus II (WKM II) angehören. Währenddessen dürfen die Wechselkurse um höchstens 15 Prozent um den zum Euro festgelegten Leitkurs schwanken, wobei auch engere Bandbreiten vereinbart werden können.

Analysten und Banker hatten die seit November 2014 amtierende Mitte-Rechts-Regierung aufgefordert, Schritte zum Euro-Beitritt zu unternehmen, um das Vertrauen in die Beaufsichtigung des Bankensektors zu steigern. Dieses war nach dem Zusammenbruch des viertgrößten Kreditgebers des Landes, der Corpbank, im vergangenen Jahr erschüttert worden.

Milliarden Neuschulden in diesem Jahr

Bis zu 3,4 Milliarden Lew (rund 1,7 Milliarden Euro) wolle sich sein Land an den Finanzmärkten im In- und Ausland leihen, erklärte kurz nach dem Bankendesaster Finanzminister Petar Tschobanow vergangenen Juli. 80 Prozent der neuen Schulden würden für die Corpbank benötigt, sagte der Minister.

Das aber strapazierte den Staatshaushalt weiter. Die Balkanland, das immer unter den Folgen seiner größten Bankenkrise in den 1990er Jahren leidet und mit einem geringen Wirtschaftswachstum rechnet, will 2015 darum 6,9 Milliarden Lew (3,5 Mrd. €) von ausländischen Kreditgebern leihen.

Bulgarien ist 2007 der Europäischen Union (EU) beigetreten. Seine Währung hat das Land bereits seit 1997 an den Euro gekoppelt. Diplomaten zufolge sind frühere Versuche des ärmsten EU-Mitglieds, dem WKM II beizutreten, an der wuchernde Korruption und der weit verbreiteten organisierten Kriminalität gescheitert.

Die Europäische Zentralbank (EZB), die Nicht-Euroländer jährliche auf ihre Euroreife prüft, hatte im Sommer eine „auf die Gewährleistung gesamtwirtschaftlicher Stabilität, einschließlich dauerhafter Preisstabilität, ausgerichtete Wirtschaftspolitik“ angemahnt. Zudem entspreche das bulgarische Recht nicht allen Bedingungen für die Unabhängigkeit der Zentralbank.