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04/12/2016

Britische Regierung will deutliche Steuersenkungen für Unternehmen

Finanzen und Wirtschaft

Britische Regierung will deutliche Steuersenkungen für Unternehmen

Finanzminister George Osborne.

Crédit [altogetherfool/Flickr]

Mit einer drastischen Steuersenkung will Großbritannien nach dem Brexit-Votum Unternehmen im Land halten. Finanzminister George Osborne wolle die Körperschaftsteuer über die bereits geplanten Kürzungen hinaus auf unter 15 Prozent senken, erklärte das Finanzministerium am Montag in London. Dieser Satz wäre im Vergleich der großen Volkswirtschaften der Erde der niedrigste und dürfte in der EU auf Kritik treffen.

Osborne hat seit 2010 bereits mehrfach die Steuern für Unternehmen gekürzt. Damals belief sich die Körperschaftsteuer noch auf 28 Prozent, inzwischen sind es nur noch 20 Prozent. Bis 2020 sollte sie bisher schrittweise auf 17 Prozent sinken – das wurde bereits lange vor dem Referendum vor anderthalb Wochen beschlossen.

Mit einer neuen Zielmarke von unter 15 Prozent hätte Großbritannien den niedrigsten Satz unter den wichtigsten Volkswirtschaften und würde sich damit Irland annähern. Dort liegt die Körperschaftsteuer bei 12,5 Prozent. Die britische Wirtschaft müsse sich mit einer Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit auf das Ausscheiden aus der EU vorbereiten, sagte Osborne der „Financial Times“. „Wir müssen den Horizont und den Weg vor uns in den Blick nehmen und das Beste aus dem Blatt machen, das uns ausgeteilt wurde.“

Mit den Plänen reagiert Osborne auf Befürchtungen, Unternehmen könnten nach dem Brexit-Votum wegen der Unsicherheit über die künftigen Beziehungen Großbritanniens mit der EU das Land verlassen. Mehrere große britische Unternehmen haben seit der Brexit-Entscheidung bereits vor schrumpfenden Gewinnen gewarnt.

Angesichts der Anzeichen, dass sich das britische Wirtschaftswachstum deutlich verlangsamen werde, seien „steuerliche Anreize und Maßnahmen“ nötig, damit Großbritannien für Unternehmen ein „attraktiver Ort“ bleibe, sagte Analyst Scott Corfe. Eine Senkung der Körperschaftsteuer würde die Regierung zwar zunächst Geld kosten. Mittel- und langfristig würden aber die Einnahmen steigen, da die Senkung die wirtschaftliche Aktivität ankurbele.

Bei der oppositionellen Labour-Partei stießen Osbornes Pläne auf Kritik. Anstelle das gesamte Land in ein „riesiges Steuerparadies“ und einen „Spielplatz für Ultra-Reiche“ zu machen, müsse der Finanzminister die „echten Probleme“ in den Griff bekommen, forderte der Labour-Finanzexperte John McDonnell.

Und auch innerhalb der EU dürften die Pläne Großbritanniens kaum auf Begeisterung stoßen. Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums betonte, es sei Ziel der Bundesregierung, „dass es auch im Bereich Steuern in einem Binnenmarkt fair zugeht“. Sollte Osborne in der kommenden Woche seine Pläne im EU-Finanzministerrat vorstellen, werde sich daran sicher eine Diskussion anschließen.