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26/09/2016

Brexit-Sorgen der Finanzexperten drücken ZEW-Index ins Minus

Finanzen und Wirtschaft

Brexit-Sorgen der Finanzexperten drücken ZEW-Index ins Minus

Der Beginn der EU-Austrittsverhandlungen Großbritanniens ist immer noch ungewiss.

Foto: pixabay

Die Konjunkturaussichten für Deutschland sind nach dem Brexit-Votum laut Einschätzung von Finanzmarktexperten stark gesunken.

Im Juli fiel der ZEW-Index des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung kräftig um 26 Punkte auf minus 6,8 Punkte – das ist der niedrigste Stand seit November 2012, wie das Institut am Dienstag mitteilte. Dagegen gaben sich Führungskräfte aus Politik und Wirtschaft weniger pessimistisch.

Die Briten hatten im Juni in einem Referendum mehrheitlich für den Austritt ihres Landes aus der EU gestimmt. Dies habe die deutschen Finanzmarktexperten mehrheitlich überrascht, erklärte das ZEW. Die Folgen der Abstimmung seien ungewiss, erläuterte ZEW-Präsident Achim Wambach. „Insbesondere die Sorge um die Absatzmöglichkeiten für die Unternehmen und um die Stabilität des europäischen Banken- und Finanzsystems dürften den Konjunkturausblick belasten.“

Die aktuelle konjunkturelle Lage in Deutschland bewerteten die Finanzmarktexperten ebenfalls schlechter, der Teilindex fiel um 4,7 auf 49,8 Punkte. Auch die aktuelle Konjunkturlage im Euroraum bewerteten die Experten negativer, hier ging der Index um 2,4 Punkte auf minus 12,4 Punkte zurück.

Drastisch ist der Rückgang der Konjunkturerwartungen für die Eurozone: Dieser Teilindex stürzte um 34,9 Punkte auf minus 14,7 Punkte ab. Befragt wurden vom ZEW Anfang bis Mitte Juli 220 Analysten und institutionelle Anleger.

Unterdessen sehen Führungskräfte aus Politik und Wirtschaft zumindest die wirtschaftlichen Folgen des Brexit-Votums etwas weniger dramatisch. Lediglich 15 Prozent der Teilnehmer am „Capital-FAZ-Elite-Panel“ gaben an, sie rechneten mit erheblichen Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft. 77 Prozent gehen demnach von lediglich geringen Auswirkungen aus. Allerdings glaubt mehr als die Hälfte (56 Prozent) der Befragten, dass der Brexit der britischen Wirtschaft massiv schaden wird.

Die EU sehen neun von zehn Umfrageteilnehmern nach dem Referendum in einem kritischen Zustand. Zwei Drittel gehen davon aus, dass der Brexit den weltpolitischen Einfluss der EU schwinden lässt.

Für die Erhebung hatte das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Zeitschrift „Capital“ und der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom 21. Juni bis zum 6. Juli gut 500 „Top-Entscheider“ aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung befragt. Dazu gehörten etwa Konzernvorstande, Ministerpräsidenten und Minister sowie Behördenleiter.