Börsen feiern Macron-Sieg: Dax & Co. auf Rekordkurs

Die Börsen sind seit dem Macron-Sieg im Aufwind. [Foto: Jochen Zick/action press]

Die Erleichterung über den Sieg des Pro-Europäers Emmanuel Macron bei der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl hat die Finanzmärkte am Montag weltweit beflügelt.

Der Dax markierte ebenso wie der Index für die weltweit größten Börsenwerte einen neuen Bestwert. Der Pariser Auswahlindex CAC40 erreichte zeitweise ein Neun-Jahres-Hoch. Der Euro war mit 1,0935 Dollar so teuer wie zuletzt vor fünfeinhalb Monaten.

Im ersten Wahlgang verwies der ehemalige Wirtschaftsminister Macron mit 23,8 Prozent der Stimmen die Euro-Kritikerin Marine Le Pen vom rechtsextremen Front National auf den zweiten Platz. „Nun deutet vieles darauf, dass nach der Stichwahl am 7. Mai ein französischer Präsident namens Emmanuel Macron die europäische Idee nicht nur unterstützt, sondern mit wirtschaftlichem Sachverstand zu reformieren in der Lage ist“, sagte Thomas Böckelmann, Chef-Portfoliomanager des Vermögensverwalters EuroSwitch. Darauf setzte auch Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank. „Möglicherweise kann Macron tatsächlich der streikfreudigen französischen Bevölkerung einen neuen wirtschaftspolitischen Kurs schmackhaft machen.“

Börsen wetten auf ein "Yes" der Briten zur EU

Am Schicksalstag für die Briten haben die Anleger an Europas Börsen auf einen Verbleib des Vereinigten Königreiches in der Staatengemeinschaft gesetzt.

Die Experten der BayernLB verwiesen auf einen weiteren Aspekt: „Dass die Umfragen zur ersten Runde am Ende recht genau waren, stützt das Vertrauen der Anleger in die Stichwahl-Umfragen, die einen etwa 20 Prozentpunkte-Vorsprung von Macron sehen.“

Französische Wertpapiere wieder en vogue

Vor diesem Hintergrund stieg der Pariser Auswahlindex CAC40 auf bis zu 5295,47 Punkte und ging 4,1 Prozent fester bei 5268,85 Zählern aus dem Handel. Das ist der größte Tagesgewinn seit knapp fünf Jahren. Bei französischen Staatsanleihen griffen Investoren ebenfalls zu. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen Titel zeitweise auf ein Drei-Monats-Tief von 0,756 Prozent.

Der Dax stieg in der Spitze auf 12.456,18 Punkte und schloss 3,4 Prozent im Plus bei 12.454,98 Zählern. Der EuroStoxx50 verabschiedete sich 3,9 Prozent höher bei 3574,46 Stellen in den Feierabend. An der Wall Street legten Dow Jones, und S&P 500 jeweils ein Prozent zu. Der Nasdaq stieg um bis zu 1,2 Prozent auf ein Rekordhoch 5983,43 Punkten. Der MSCI-Weltindex erreichte zeitweise 453,38 Zähler.

Die als sicher geltenden Bundesanleihen warfen Anleger dagegen aus ihren Depots. Der Bund-Future, der auf diesen Papieren basiert, büßte 129 Ticks auf 161,45 Punkte ein. Die „Antikrisen-Währung“ Gold verbilligte sich um 0,8 Prozent auf 1273,86 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

Finanzwerte im Aufwind

Angeführt wurde die Rally an den europäischen Aktienmärkten von den Finanzwerten. Mit der Wahl gebe es kein Risiko eines massiven Kapitalabflusses aus Europa mehr, sagte Analyst Neil Wilson vom Brokerhaus ETX Capital. „Die Anleger sorgen sich nicht länger um die Zukunft des Euro.“ Kandidatin Le Pen wollte über einen Austritt ihres Landes aus der EU und der Euro-Zone abstimmen lassen.

Vor diesem Hintergrund stieg der Index für die Banken der Euro-Zone um 7,2 Prozent – so stark wie zuletzt vor viereinhalb Jahren. Neben französischen Geldhäusern wie Societe Generale (SocGen) oder Credit Agricole waren vor allem die krisengeplagten italienischen Institute gefragt, allen voran die HVB-Mutter Unicredit. Banken aus diesen beiden Ländern verbuchten zeitweise zweistellige prozentuale Kursgewinne. Commerzbank und Deutsche Bank lagen jeweils mehr als neun Prozent nur knapp dahinter.

Die positive Branchenstimmung schwappte auch über den Ärmelkanal und den Atlantik: In London gehörten Barclays Bank und Standard Chartered mit einem Kursplus von bis zu 5,4 Prozent zu den Favoriten. An der New Yorker Börse legten Goldman Sachs und JPMorgan jeweils gut drei Prozent zu.

Ein Sieg des Börsenlieblings Macron über Le Pen sei aber noch nicht in trockenen Tüchern, warnte Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Geschäftskunden bei der Deutschen Bank. „In zwei Wochen Wahlkampf kann noch viel passieren. Die große Frage ist, wie sich die traditionellen Wähler der großen klassischen Parteien verhalten und wer sie überzeugen kann.“ Sollte Le Pen das Rennen machen, rechnen Experten mit einem Absturz des Euro und Kurseinbrüchen an den Aktienmärkten.