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27/09/2016

Arbeitslosigkeit europaweit maßgeblich gesunken

Finanzen und Wirtschaft

Arbeitslosigkeit europaweit maßgeblich gesunken

In Deutschland nähert sich die Arbeitslosigkeit dem tiefstem Stand seit 25 Jahren.

Foto: dpa

Die Arbeitslosigkeit ist im Euro-Raum auf dem tiefsten Stand seit annähernd fünf Jahren. Besonders gut sind die Zahlen in Deutschland – trotz einer zunehmenden Zahl von arbeitssuchenden Flüchtlingen.

Der leichte Konjunkturaufschwung drückt die Arbeitslosigkeit im Euro-Raum auf den tiefsten Stand seit annähernd fünf Jahren.

Im April hatten rund 16,42 Millionen Frauen und Männer keinen Job – 63.000 weniger als im März und gut 1,3 Millionen weniger als ein Jahr zuvor. Die um jahreszeitliche Schwankungen bereinigte Arbeitslosenquote verharrte bei 10,2 Prozent, wie die Statistikbehörde Eurostat mitteilte. „Das ist der niedrigste Wert für die Euro-Zone seit August 2011“, erklärte sie.

Die Schere innerhalb der Währungsunion geht allerdings weit auseinander. Deutschland wies nach einheitlicher europäischer Rechnung mit 4,2 Prozent den niedrigsten Wert aus, gefolgt von Malta mit 4,3 Prozent. In Spanien liegt die Arbeitslosenquote dagegen bei 20,1 Prozent, in Griechenland lag sie im Februar sogar bei 24,2 Prozent.

Arbeitslosigkeit in Deutschland nähert sich tiefstem Stand seit 25 Jahren

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Mai deutlich zurückgegangen und nähert sich trotz einer zunehmenden Zahl von arbeitssuchenden Flüchtlingen dem tiefsten Stand seit Mitte 1991.

Bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) waren 2,664 Millionen Jobsuchende registriert, wie die Behörde am Dienstag in Nürnberg mitteilte. Das seien 80.000 weniger gewesen als im April und 98.000 weniger als vor einem Jahr. Der Arbeitsmarkt entwickele sich mit der auslaufenden Frühjahrsbelebung insgesamt weiter positiv, erklärte BA-Chef Frank-Jürgen Weise. Im Euro-Raum weist Deutschland die geringste Erwerbslosigkeit auf. Die Wirtschaft äußerte sich besorgt, dass im mathematisch-technischen Bereich zusehends nicht nur Akademiker, sondern auch Facharbeiter fehlten.

Die Zahl der Arbeitslosen fiel etwas stärker als sonst im Mai üblich. Das schlug sich auch in den saisonbereinigten Zahlen nieder, aus denen jahreszeitliche Schwankungen herausgerechnet werden. Diese Zahl ging um 11.000 Erwerbslose zurück. Banken-Volkswirte hatten im Durchschnitt nur einen Rückgang um 5000 erwartet. Sollte die Erwerbslosigkeit im Juni im gleichen Ausmaß wie in den Vorjahren um etwa 50.000 sinken, wäre die geringste Arbeitslosenzahl seit Juni 1991 erreicht.

BA-Chef Weise wies aber darauf hin, dass der Ausblick gespalten sei. Die Arbeitsagenturen vor Ort rechneten in den kommenden drei Monaten zwar weiter mit steigender Beschäftigung – gleichzeitig aber auch mit zunehmender Arbeitslosigkeit, weil das Arbeitskräfteangebot durch Flüchtlinge steige. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten erreichte zuletzt laut Weise 31,21 Millionen und damit 681.000 mehr als vor einem Jahr. Die Erwerbstätigenzahl lag mit 43,36 Millionen um 544.000 höher als vor Jahresfrist.

Die steigende Zahl von Flüchtlingen macht sich Weise zufolge bereits in der sogenannten Unterbeschäftigung bemerkbar, die saisonbereinigt um 18.000 gestiegen sei. Darin sind neben Arbeitslosen auch Menschen berücksichtigt, die zwar beschäftigungslos sind, wegen einer Qualifizierung oder Krankheit dem Arbeitsmarkt aber nicht zur Verfügung stehen. Es gebe mehr Zugänge in die Arbeitslosigkeit aus den Asylherkunftsländern, sagte Weise. Das schlage sich in mehr Förderprogrammen für Ausländer nieder.

In der Euro-Zone weist Deutschland nach europaweit vergleichbaren Zahlen mit einer saisonbereinigten Arbeitslosenrate von 4,2 Prozent den besten Wert auf. In der EU steht mit 4,1 Prozent nur Tschechien besser da.

Die Arbeitgeber mahnten, dass in Deutschland die von ihnen überschlägig berechnete Fachkräftelücke im sogenannten MINT-Bereich (Mathe, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) innerhalb von zwei Jahren um 70 Prozent gestiegen sei. Den Unternehmen fehlten nach diesen Schätzungen im April 171.400 Arbeitskräfte in diesen Bereichen. Dies seien zu 60 Prozent keine Akademiker, sondern Fachkräfte mit einer Berufsausbildung.