Anleihekäufe: EZB-Direktorin Lautenschläger warnt vor Geldschwemme

Die EZB steht wegen ihrer Anleihekäufe im Unternehmessektor in der Kritik. [Kiefer./Flickr]

EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger hegt große Zweifel am Sinn des großangelegten Anleihen-Kaufprogramms. Durch die niedrigen Zinsen in der Euro-Zone könnte die Konjunktur kaum profitieren. Zudem seien Preisblasen zu befürchten.

Wenige Wochen nach dem Start des mehr als eine Billion Euro schweren Anleihe-Kaufprogramms der EZB warnt die deutsche Direktorin Sabine Lautenschläger vor Risiken der Geldschwemme.

„Bei den niedrigen Zinsen in der Euro-Zone habe ich Zweifel, ob die konjunkturellen Effekte des Kaufprogramms die gewünschte Größenordnung erreichen können“, sagte Lautenschläger in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview der „WirtschaftsWoche“. Zugleich bestehe die Gefahr von Preisblasen und Problemen für Banken als Folge der ultralockeren Geldpolitik und der niedrigen Zinsen.

Nachdem zuletzt führende EZB-Vertreter wie etwa das finnische Ratsmitglied Erkki Liikanen von einem gelungenen Auftakt des Programms gesprochen hatten, stellte Lautenschläger die Wirksamkeit infrage. Die langfristigen Renditen auf dem Anleihemarkt seien im Euro-Raum schon vor dem Programmstart auf einem sehr niedrigen Niveau gewesen. „Die Erfahrungen der USA zeigen aber, dass Käufe von Staatsanleihen umso stärker wirken, je höher die betreffenden Renditen sind“, sagte Lautenschläger.

Die Europäische Zentralbank hatte Anfang März ihr Kaufprogramm gestartet. Die Währungshüter wollen bis September 2016 monatlich Wertpapiere im Volumen von 60 Milliarden Euro erwerben. Mit den Käufen – im Fachjargon „QE“ (Quantitative Easing) genannt – soll die Kreditvergabe der Banken angeheizt und damit die Konjunktur beflügelt werden. Die zuletzt sogar negative Teuerung in der Euro-Zone will die EZB auf diesem Weg wieder in Richtung ihrer Inflationszielmarke von knapp unter zwei Prozent nach oben hieven.

Lautenschläger warnte zudem, die Folgen der ultralockeren Geldpolitik könnten zur Bildung von Preisblasen führen. „Bei niedrigen Zinsen steigt die Gefahr von zu riskantem Anlageverhalten, es können sich leicht Überhitzungen oder Preisblasen in anderen Vermögensklassen bilden“, sagte das EZB-Direktoriumsmitglied. Zudem drohten die niedrigen Zinsen die Reformanstrengungen der Euro-Länder erlahmen zu lassen. Eine expansive Geldpolitik könne aber nur einen Anstoß für mehr Wachstum geben. „Die entscheidenden Impulse müssen von der Wirtschaftspolitik kommen,“ sagte sie.

Niedrigzins erhöht Druck auf deutsche Banken

Im Zuge der aktuell sehr niedrigen Zinsen nehmen Lautenschläger zufolge die Schwierigkeiten mancher Banken in Deutschland zu. Dazu komme, dass hierzulande der Konkurrenz- und Preisdruck zwischen Geldhäusern besonders stark sei. Mittel- und langfristig würden manche Gescha?ftsmodelle daher in eine kritische Situation geraten.

„Wir mu?ssen verhindern, dass Banken allein mit riskanteren Gescha?ften oder Einsparungen wie etwa mit Stellenabbau im Risikomanagement auf die niedrigen Zinsen reagieren.“ Die Bankenaufsicht reagiere auf gestiegene Risiken in den Bankbilanzen, indem sie zusa?tzliche Wertberichtigungen oder mehr Eigenkapital fordere. „Außerdem fordern wir, dass Banken ihre internen Kontrollen und das Risikomanagement verbessern, etwa indem sie mehr Personal fu?r diese Aufgaben bescha?ftigen“, so die EZB-Direktorin.

Lautenschläger, die in der EZB sowohl für die Geldpolitik als auch für die Bankenaufsicht mitverantwortlich ist, plädiert für eine Trennung dieser Bereiche. Sie sei sich bewusst, dass sie in ihrer Brückenfunktion zwischen beiden Bereichen vermitteln müsse. „Langfristig halte ich aber eine Trennung der beiden Aufgaben für die bessere Wahl“, sagte Lautenschläger.