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04/12/2016

Agrarmarkt: Krise erschüttert Absatz von Landmaschinen

Finanzen und Wirtschaft

Agrarmarkt: Krise erschüttert Absatz von Landmaschinen

Die Krise fordert ihren Tribut: Immer weniger Landwirte investieren in neue Traktoren.

[oatsy40 CC BY 2.0/ Flickr]

Angesichts der hartnäckigen Krise auf dem EU-Agrarmarkt wird sich der seit 2015 sinkende Absatztrend in der Landmaschinenindustrie weiter fortsetzen. EurActiv Brüssel berichtet.

In der ersten Jahreshälfte 2016 sanken laut Daten des Europäischen Landmaschinenverbands CEMA auf fast allen Märkten der Vereinigung (Belgien, Frankreich, Deutschland, Italien, die Niederland, Spanien, Großbritannien) die Verkaufszahlen von Landmaschinen.

„Es ist davon auszugehen, dass die Märkte in der zweiten Jahreshälfte 2016 weiter schrumpfen werden, mancherorts um bis zu neun Prozent wie in Deutschland. Spanien ist da mit einem erwarteten Anstieg von 9,5 Prozent die große Ausnahme. Auch in Frankreich, das sich bisher mit einer siebenprozentigen Zunahme gut geschlagen hat, zeichnet sich in den kommenden sechs Monaten ein Rückgang um zwei Prozent ab“, so die CEMA.

Traktoren im Abwärtstrend

Abgesehen von Sprühgeräten sind alle größeren Maschinenarten den Statistiken zufolge in den ersten sechs Monaten dieses Jahres seltener verkauft worden als noch im Vorjahreszeitraum. Die Absatzzahlen für Traktoren liegen im europäischen Durchschnitt um 5,5 Prozent niedriger. Dieser Rückgang geht vor allem auf die sinkende Nachfrage nach Traktoren mit 50 bis 250 PS zurück. „Diese Antriebskategorie ist bei den Landwirten normalerweise am beliebtesten. Jetzt stehen Bauern jedoch schwierigen Zeiten gegenüber, denn die Preise für Agrarrohstoffe und Milch sind sehr niedrig“, erklärt die CEMA. „Die Lage könnte sich sogar noch weiter zuspitzen. In vielen europäischen Ländern fallen die Erträge der Getreideernte gemischt aus, während weltweit auch weiterhin ein großes Angebot besteht.“

Ähnliche Flauten lassen sich auch bei Mähdreschern, Ballenpressen und Mähmaschinen beobachten. Einzig der Markt für Sprühgeräte scheint der Krise zu trotzen.

Die Landmaschinenverkäufe folgen streng den Konjunkturzyklen der Landwirtschaft, meint CEMA-Generalsekretär Ulrich Adam im Gespräch mit EurActiv. „Wenn die Preise für Agrarrohstoffe wie Milch, Weizen, Mais oder Zucker steigen, dann nimmt in der Regel auch die Nachfrage nach landwirtschaftlicher Ausrüstung zu“, betont er.

Jüngste Studien hätten ihm zufolge nahegelegt, dass europäische Landwirte durchaus bereit seien, zu investieren – vor allem in neue Maschinen. Aufgrund der niedrigen Rohstoffpreise, der unterdurchschnittlichen Ernteerträge und der hohen Bodenkosten jedoch falle es ihnen schwer, gerade jetzt Investitionen zu tätigen. Nur neun Prozent der deutschen Landwirte habe vor, in der zweiten Hälfte dieses Jahres in neue Ausrüstung zu investieren, zeigt eine aktuelle Kundenumfrage des CEMA-Mitglieds Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA).

Die Absatzzahlen von Landmaschinen in Deutschland, dem größten Produzenten Europas, gingen in der ersten Jahreshälfte 2016 um 14 Prozent zurück. Dennoch stieg die Produktionsrate von Landmaschinen im Vergleich zu 2015 um 1,5 Prozent.