Kein Ende der Nullzinspolitik in Sicht

Die jüngsten Aussagen von EZB-Chef Mario Draghi lassen deutsche Ökonomen aufschrecken. [miqu77/ Shutterstock]

Trotz der deutlich verbesserten Konjunktur in Europa werden die Zinsen auf absehbare Zeit nicht steigen.

Die EZB will sich erst weit nach dem Ende ihrer billionenschweren Anleihenkäufe an die Zinswende wagen, wie Notenbank-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt sagte. Damit dürfte sich die Kluft zwischen Europa und den USA im kommenden Jahr ausweiten.

Aus Deutschland kam erneut scharfe Kritik an den EZB-Beschlüssen. Hierzulande läuft die Konjunktur heiß und würde vielen Ökonomen zufolge eher heute als morgen höhere Zinsen brauchen, um Übertreibungen – etwa auf dem Immobilienmarkt – zu verhindern. Der Europäischen Zentralbank bereitet aber Sorge, dass die Inflation trotz Konjunkturerholung nicht stärker anzieht. Nach den jüngsten Prognosen der hausinternen Volkswirte wird die Teuerung auch 2020 nur bei 1,7 Prozent liegen – und damit unter dem EZB-Ziel von knapp zwei Prozent, den die EZB anstrebt und noch weiter unter dem, was für die Binnenmarkt-Ökonomien in Südeuropa erforderlich wäre.

EZB-Unternehmensanleihekäufe in der Kritik

Seit Juni 2016 kauft die Europäische Zentralbank direkt Anleihen von Unternehmen. Das Programm ist jedoch umstritten.

Die Euro-Hüter bekräftigten die Option, ihre umstrittenen Anleihenkäufe nötigenfalls noch auszuweiten. Draghi verwies zur Begründung auf die verhaltene Inflation. „Ein großes Ausmaß an geldpolitischer Hilfe ist daher weiterhin notwendig.“

Deutsche Ökonomen sparen nicht mit Kritik an Draghis Ankündigungen: „Die extrem expansive Kombination von Nullzinsen und Anleihekäufen ist eine Notfallmaßnahme, für welche die Rechtfertigung abhandengekommen ist“, sagte Friedrich Heinemann vom Wirtschaftsforschungsinstitut ZEW. Ähnlich äußerte sich der Chefvolkswirt der Landesbank LBBW, Uwe Burkert: „Es könnte gut sein, dass es in der Ära Draghi überhaupt keine Zinserhöhung geben wird.“ Draghis Amtszeit endet im Herbst 2019.

Die EZB hatte im Oktober beschlossen, die monatlichen Anleihenkäufe zum Jahreswechsel zu halbieren, dafür aber bis mindestens Ende September 2018 zu verlängern. Das Gesamtvolumen des Programms schwillt so auf 2,55 Billionen Euro an. Die Transaktionen sind momentan das wichtigste Instrument der EZB im Kampf gegen die schwache Inflation.