EZB-Ratsmitglied sieht Spielraum für Kurswechsel

Die EZB macht nach Kritik das Geheimabkommen ANFA öffentlich.

Hier berät der EZB-Rat über den Fortgang der umstrittenen Geldflut. [ ezb2014/Flickr]

EZB-Ratsmitglied Ardo Hansson hält aufgrund besserer Konjunktur-Perspektiven für die Eurozone einen behutsamen Kurswechsel der Europäischen Zentralbank für gerechtfertigt.

“Mit größerer Zuversicht in die Aussichten für die Realwirtschaft gibt es einigen Spielraum für eine vorsichtige aber offensichtliche Rekalibrierung der Geldpolitik”, sagte Estlands Notenbank-Chef am Mittwoch. Die Wirtschaft in der Euro-Zone wachse stark und die Inflation nehme leicht zu. “Die Welt sieht für uns besser aus.”

Die EZB hatte im Oktober beschlossen, ihre vor allem in Deutschland umstrittenen Anleihenkäufe im Rahmen des so genannten qunatitative easing ab Januar auf 30 Milliarden Euro pro Monat zu halbieren. Die Transaktionen, die aktuell das wichtigste Instrument der Notenbank im Kampf gegen eine aus ihrer Sicht zu schwache Inflation sind, sollen bis mindestens September 2018 fortgesetzt werden. Volkswirte halten danach eine weitere Verringerung der Käufe für möglich.

Die EZB hofft, durch das zusätzliche Geld in den Märkten die Konjunktur anzukurbeln und so auch die Inflation Richtung 2%-Marke zu verschieben. Allerdings kommt das Geld häufig nicht in der Realwirtschaft an, da die EZB frisches Geld nur an private Banken ausgeben darf und die derzeit häufig attraktivere Verwendungsmöglichkeiten als eine Weitergabe an die Realwirtschaft per Kredit haben – gerade aufgrund der schwachen Nachfrage in vielen Euroländern.

In Deutschland sind die Anleihekäufe besonders umstritten, weil sie große Vermögenswerte zu Lasten kleinerer Sparguthaben aufwerten. Immer wieder wird die EZB-Geldpolitik auch mit dem Problem rasant steigender Immobilienpreise in den Ballungsräumen in Verbindung gebracht. Kritiker sehen im Kauf von Staatsanleihen südeuropäischer Krisenländer zudem eine illegale Staatsfinanzierung und haben daher gegen das Programm geklagt.

Kleinere und mittlere Unternehmen beklagen zudem, dass die EZB im Rahmen des Ankaufprogramms für Unternehmensanleihen große Konzerne bevorzuge und so zu deren Gunsten in den freien Marktmechanismus eingreifen.