„Cum-Ex“-Steueraffäre: Deutsche Bank zieht Konsequenzen

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Die Deutsche Bank zieht Konsequenzen aus den Cu-Ex Vorwürfen. [Nessluop / Shutterstock.com]

Die Deutsche Bank zieht in der Cum-Ex-Affäre um fragwürdige Steuerpraktiken von Kunden Konsequenzen. Bescheinigungen, die Kunden beim Steuertricksen halfen, werden zurückgezogen.

Von „Cum-Ex“ ist die Rede, wenn eine Aktie kurz vor Dividendenauszahlung verkauft und kurz nach der Auszahlung wieder gekauft wird. Dieser einfach Kniff macht es möglich den Eindruck zu erwecken, dass die Aktie zum Auszahlungszeitpunkt mehrere Besitzer hatte – die sich dann alle Steuern erstatten lassen können, ohne welche gezahlt zu haben. Früher war das zwar moralisch unschön, aber im Sinne der juristischen Grauzone nicht verboten. Mittlerweile ist der Trick illegal.

Das ist eines der vielen Probleme, mit denen sich die Deutsche Bank in den letzten Monaten rumschlagen muss. Zwar hat sie selbst nicht getrickst, wohl aber ihren Kunden dabei unter die Arme gegriffen.

Kursmanipulation: Deutsche Bank zahlt 48,5 Millionen Dollar

Die Deutsche Bank legt in den USA einen Streit mit Investoren wegen des Vorwurfs von Anleihen-Preismanipulationen durch die Zahlung von 48,5 Millionen Dollar bei. Die Liste der Strafzahlungen ist lang.

Bisher hat sich das Geldhaus auf den Standpunkt gestellt, sie habe mit den Steuergeschäften ihrer Kunden nichts zu tun. Nun erklärte ein Sprecher, die Bank habe in der Angelegenheit stets mit den Behörden kooperiert und selbst niemals derartige Tricks angewandt. “Die Deutsche Bank war jedoch in Geschäfte von Kunden eingebunden.”

Am Montag wurde in Finanzkreisen ein Medienbericht bestätigt, wonach die Deutsche Bank mittlerweile Bescheinigungen zurückgezogen hat, mit denen sich Kunden zu Unrecht Steuern erstatten ließen, die sie gar nicht gezahlt hatten.

Das war höchste Zeit. Angeblich sind dem deutschen Fiskus durch derartige Geschäfte bereits mehr als zehn Milliarden Euro entgangen. An der Trickserei waren laut Behörden zahlreiche Banken beteiligt. Die Branche hat die Praxis inzwischen eingestellt. Die Behörden warfen den Banken unter anderem zu laxe Kontrollen ihrer Mitarbeiter und Kundenbeziehungen vor.

“Die übrigen deutschen Geldinstitute, die noch immer ihre offenkundig unanständigen Forderungen bei Cum-Ex aufrechterhalten, müssen jetzt nachziehen”, forderte der Grünen-Politiker Gerhard Schick.

Steuerhinterziehung: Gestern Schweiz – heute Malta

Neue Daten legen den Verdacht nahe, dass Firmen auf Malta für Steuertricks genutzt werden. Das Steuerrecht der Mittelmeerinsel jedenfalls ist wie gemacht für Betrug.

Die Commerzbank hatte sich bereits im Frühjahr 2017 im Streit um die Rückerstattung von 75 Millionen Euro Steuern aus Cum-Ex-Deals geschlagen gegeben und ein Urteil des hessischen Finanzgerichts akzeptiert. In der Auseinandersetzung mit dem Fiskus ging es um Aktiengeschäfte aus dem Jahr 2008, an denen die mittlerweile von der Commerzbank übernommene Dresdner Bank beteiligt war.

Der Skandal hat in den vergangenen Jahren hohe Wellen geschlagen. Wegen der Steuertricks mit Aktien und entsprechender Forderungen der Behörden in dreistelliger Millionenhöhe war im vergangenen Jahr die vergleichsweise kleine Maple Bank zusammengebrochen und von der Finanzaufsicht BaFin geschlossen worden.