EurActiv.de

Das führende Medium zur Europapolitik

30/09/2016

Online-Tool soll Jugendliche zur Europawahl bewegen

Europawahlen 2014

Online-Tool soll Jugendliche zur Europawahl bewegen

Online Jugendliche besser erreichen - für die Europawahlen 2014 soll auf MyVote2014.eu ihr politisches Interesse gestärkt werden. Foto: dpa

Im Vorfeld der Europawahlen 2014 bietet die Website MyVote2014.eu eine Wahlhilfe zu EU-Themen an – vor allem für junge Wähler. Diese können ihre Abstimmungsergebnisse mit den Positionen der EU-Abgeordneten vergleichen.

Über die Website MyVote2014.eu können Nutzer ihre Präferenzen als Wähler bei den Europawahlen 2014 angeben. Diese werden dann mit den Ergebnissen von EU-Abgeordneten und den Fraktionen im EU-Parlament – sowie unter den europäischen politischen Gruppen oder im eigenen Land – verglichen.

Bei der Umfrage, die zusammen mit den Jugendorganisationen "European Youth Forum" und "League of Young Voters" gemacht wird, werden den Website-Besuchern fünfzehn Fragen präsentiert – als Antwortmöglichkeiten gibt es Ja- oder Nein-Stimme sowie die Enthaltung.

Laut Doru Frantescu, Mitbegründer von VoteWatch, richtet sich die Umfrage speziell an Wähler zwischen 18 und 35 Jahren und an Erstwähler. Dies erklärte er bei einer Eröffnungsveranstaltung am 18. September: "Wir möchten den Wählern zeigen, welche Themen bei ihrer Wahl eine Rolle spielen könnten. Wir versuchen aber auch, die Umfrage möglichst ansprechend und interessant zu gestalten", sagte er. 

Zur Abstimmung stehen auch Jugendthemen, wie etwa der Gesetzesentwurf zum Youth Guarantee Scheme: Arbeitslosen Jugendlichen sollen damit ein Arbeitsplatz, eine Ausbildungsstelle oder Weiterbildungsmaßnahmen angeboten werden. Ebenfalls abgestimmt werden kann über kontrovers diskutierte Themen, wie das Handelsabkommen gegen Produktpiratierie (ACTA) oder die EU-Finanztransaktionssteuer.

"Wir haben die wesentlichen Themen herausgearbeitet – also diejenigen, die für die Wähler mit hoher Wahrscheinlichkeit am interessantesten sind", sagte Simon Hix, Vorsitzender von VoteWatch Europe und Professor an der London School of Economics (LSE).

Die zentralen Themen im EU-Parlament werden mit dieser Auswahl jedoch nicht unbedingt repräsentiert. Trotzdem hoffen die Organisatoren, dass die Website Aufmerksamkeit erregen wird: "Das ist keine akademische Umfrage", sagte Hix. "Mit dem Programm soll das Interesse der Leute geweckt werden."

Upgrade für die Spitzenkandidaten im März 2014

Die League of Young Voters zeigte sich als Co-Partner von MyVote2014.eu zuversichtlich, dass das Projekt zusammen mit ihren Mitgliedsorganisationen in den EU-Ländern funktionieren wird. Dabei sollen vor allem Politiker mit Unterstützung von lokalen Parteien die Umfrage bekannt machen. Das schließt die Website sowie eine MyVote2014- Facebook- und Smartphone-App mit ein. Ziel der Kampagne ist es, bis zum Mai 2014 drei Millionen Website-Besucher zu bekommen.

Während diese ihr Ergebnis lediglich mit den Ansichten der derzeitigen EU-Parlamentarier vergleichen können, wird die Liste der endgültigen Kandidaten für die Europawahlen 2014 erst in einigen Monaten veröffentlicht.

Die europäischen Parteien haben jedoch bereits damit begonnen, ihre Spitzenkandidaten für den Wahlkampf zu nominieren. Diese werden auch Bewerber für das Amt des EU-Kommissionspräsidenten sein. Im März 2014 wird MyVote2014.eu ein Upgrade der Website präsentieren, bei dem die Positionen dieser neuen Kandidaten mit einbezogen sind.

"Wir werden die Kandidaten darum bitten, den Test zu machen und ihre Ergebnisse zur Umfrage hinzufügen", sagte Hix. "Dabei werden sie auch mit den Abstimmungsergebnissen ihrer Parteikollegen konfrontiert."

Wahlbeteiligung aus historischem Tief holen

Laut VoteWatch soll mit der Kampagne auch die Wahlbeteiligung von jungen Wählern erhöht werden. Diese war 2009 auf ein historisches Tief von 29 Prozent bei den 18- bis 24-Jährigen gesunken. Im Gegensatz dazu betrug die Wahlbeteiligung bei den 55-Jährigen und Älteren um die 50 Prozent.

"Wir haben die Gründe für die geringe Wahlbeteiligung der jungen Menschen analysiert", sagte Jennifer de Nijs von der League of Young Voters. "Sogar die Politiker selbst haben angegeben, sich nicht auf junge Wähler konzentriert zu haben. Sie hielten diese für desinteressiert – und gleichzeitig könnten wegen der Demographie in Europa die älteren Wählergruppen auch mehr Stimmen abgeben."

Ihr zufolge müssten die Politiker jedoch der Altersgruppe der Jugendlichen mehr Aufmerksamkeit schenken. Genauso sollten auch junge EU-Parlamentarier wieder für ein Abgeordnetenmandat kandidieren, um die jungen Wählerstimmen anzuziehen.

Simon Hix glaubt, dass die anti-europäischen politischen Bewegungen mehr Erfolg bei den jungen Wählern haben: "Viele Jugendliche machen Europa für die Arbeitslosigkeit verantwortlich. Interessant werden wird, ob ihre Stimmen eher den Euro-skeptischen Parteien zugute kommen."

"This time it’s different"

In den letzten Wochen startete das EU-Parlament seine Informationskampagne mit dem Motto "This time it’s different". Die griechische EU-Abgeordnete Anni Podimata wies bei der Präsentation der Kampagne in Straßburg auf den einzigartigen Kontext der kommenden Europawahlen hin.
 
"Allein nur an die bürgerliche Pflicht [zum Wählen] zu appellieren, war in der Vergangenheit nicht sehr erfolgreich", sagte Michiel van Hulten, Managing Director von VoteWatch.

"Wir versuchen, den Wahlkampf zu politisieren und zu zeigen, dass die Themen Gewicht haben. Man sollte deshalb wirklich denjenigen wählen, von dem man die eigenen Ansichten repräsentieren haben möchte."

EurActiv.com/kagl

Links

EurActiv Brüssel: EU elections 2014: Online tool aims to get the youth voting (20. September 2013)

VoteWatch Europe:
MeineWahl 2014