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06/12/2016

Neuer Wahl-O-Mat: Mit 38 Klicks zur persönlichen Wahlempfehlung

Europawahlen 2014

Neuer Wahl-O-Mat: Mit 38 Klicks zur persönlichen Wahlempfehlung

SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz bewertet die Thesen des aktuellen Wahl-O-Mat. Foto: Patrick Timmann

Keine vier Wochen vor den Europawahlen geht der aktuelle Wahl-O-Mat online: Ein einfaches Instrument um herauszufinden, welche Partei man wählen soll. Ob es zur Wählermobilisierung beitragen kann, bleibt abzuwarten – den deutschen Spitzenkandidaten gefällt es jedenfalls.

„Die Europäische Union soll sich als christliche Wertegemeinschaft verstehen.“ Oder: „Die Inanspruchnahme sexueller Dienstleistungen gegen Bezahlung soll strafbar sein.“ So lauten zwei der insgesamt 38 Thesen des neuen Wahl-O-Mat zu den Europawahlen 2014. Mit wenigen Klicks kann ab Montagabend (28. April) jeder den Aussagen zustimmen oder sie ablehnen und auf diese Weise herausfinden, welche Partei die eigenen Überzeugungen bei den Wahlen am ehesten vertritt. Die persönlichen Antworten werden dazu mit denen aller 25 zur Wahl stehenden Parteien verglichen, die die Fragen bereits beantwortet haben.

Den Anfang machten am Nachmittag die deutschen Spitzenkandidaten gleich selbst, bei der Lancierung des Wahl-O-Mat in Berlin. „Absolut“, bejaht SPD-Spitzenkandidat und EU-Parlamentspräsident Martin Schulz ohne zu zögern die Forderung zur Einführung einer Finanztransaktionssteuer. Soll der Präsident der EU-Kommission von den Bürgern direkt gewählt werden? „Ja, das steht in unserem Wahlprogramm“, antwortet auch Spitzenkandidat David McAllister wie aus der Pistole geschossen. Unsicher ist sich der CDU-Frontmann indes bei der vorletzten These zur Begrenzung von Managergehältern. „Gute Frage“, meint er anerkennend.

Zum Denken und damit hoffentlich auch zum Wählen anregen – das ist das erklärte Ziel des Wahl-O-Mat. „Der Wahl-O-Mat ist ein Aktivierungs-Tool“, erklärt der Sprecher des für die Entwicklung verantwortlichen Teams. Wer das Instrument benutze, beeinflusse darüber hinaus auch sein Umfeld, denn 70 Prozent der Nutzer beabsichtigten, ihre eigenen Ergebnisse mit denen ihrer Verwandten, Freunden oder Kollegen zu vergleichen. Darauf begründet sei natürlich auch die Hoffnung, so die Wahl-O-Mat-Betreiber, dass viele Menschen am Wahltag zur Urne gehen werden. „Je höher die Wahlbeteiligung sein wird, desto geringer die Gefahr, dass Nazis ins EU-Parlament einziehen“, appelliert auch Schulz.

Sämtliche Spitzenkandidaten sind deshalb voll des Lobes für das neue Online-Tool. „Es hat Spaß gemacht, das eigene Wahlprogramm mal zu testen“, gibt McAllister zu und präsentiert sein Ergebnis: Die Antworten des CDU-Spitzenkandidaten überschneiden sich zu 98 Prozent mit denen seiner Partei. An zweiter Stelle seiner persönlichen Wahlpräferenzliste liegt die Schwesterpartei CSU mit 81,4 Prozent, gefolgt vom ehemaligen Koalitionspartner FDP mit 70,9 Prozent. Mit dem derzeitigen Koalitionspartner SPD teilt McAllister dagegen nur 62,8 Prozent der Thesen, noch geringer ist die Übereinstimmung mit den oppositionellen Grünen: 48,8 Prozent.

Weit abgeschlagen liegen die Grünen erwartungsgemäß auch beim CSU-Spitzenkandidaten Markus Ferber, was ihn freilich nicht weiter stört. Ganz im Gegenteil: „Dass ich am wenigsten Übereinstimmung mit den Grünen habe, das zeigt doch, dass ich in der richtigen Partei bin“, meint Ferber als Seitenhieb auf die ebenfalls anwesende Grünen-Spitzenkandidatin Rebecca Harms. Was die Zusammenarbeit mit der CDU angehe, sehe er dagegen dank der großen Überschneidung „durchaus Potential“.

Das Gefeixe der Politiker lässt es bereits erahnen: Der Wahl-O-Mat macht Spaß, denn er drückt politische Präferenzen in Zahlen aus und macht sie somit messbar. Und wem die Wahlempfehlungen für die in Deutschland zur Wahl stehenden Parteien nicht reichen, der soll ab Dienstag (29. April) seine persönlichen Präferenzen mit denen von Parteien aus 14 weiteren EU-Ländern vergleichen können. Ein weiteres Element des „spielerischen“ Charakters des neuen Online-Tools, so das Wahl-O-Mat-Team.

Weitere Informationen

Bundeszentrale für politische Bildung: Wahl-O-Mat Europawahl 2014