USA zunehmend überzeugt: Russland hat französische Wahlen gehackt

NSA-Chef Mike Rogers [C-SPAN/YouTube]

Laut zwei US-Geheimdienstmitarbeitern haben Hacker mit Verbindungen zur russischen Regierung versucht, durch das Leaken gehackter Dokumente den Wahlkampf von Emmanuel Macron zu sabotieren.

Unabhängig davon sagte NSA-Chef Admiral Mike Rogers dem Streitkräfte-Kommittee des Senats gestern, seine Behörde habe bereits lange vor dem E-Mail-Leak kurz vor der Stichwahl von „russischen Aktivitäten“ in Bezug auf die französischen Wahlen gewusst. Die französischen Kollegen seien gewarnt worden.

Die beiden Geheimdienstler und vier weitere Quellen mit Geheimdienstinformationen erklärten, sie haben noch kein definitiv schlüssiges Beweismaterial gefunden, wonach der Kreml dem russischen Geheimdienst die Hacks aufgetragen habe. Allerdings seien die Angriffe von „Stellen durchgeführt worden, die bekannterweise mit dem russischen Geheimdienst verbunden sind”, behauptete einer der Mitarbeiter, der wie alle anderen anonym bleiben will.

Die russische Führung hat mehrfach jegliche Beteiligung an Hacks im Zuge der Wahlen in Frankreich zurückgewiesen.

Französische Behörden warnen vor Hackerangriffen

2017 wird in Frankreich ein neuer Präsident gewählt. Ähnlich wie im US-Wahlkampf befürchten die Behörden politisch motivierte Angriffe durch Hacker. Im Verdacht steht auch hier Russland.

Mounir Mahjoubi, Macrons Leiter für den digitalen Wahlkampf, sagte Reuters in einem Interview, es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass Hacker, die von der russischen Regierung unterstützt werden, hinter den Angriffen stünden. „Wir haben keine genauen Informationen, wer die Angriffe geführt hat“, so Mahjoubi.

Zwei der US-Quellen und ein EU-Offizieller äuβerten hingegen, es gebe klare Beweise, dass Russland die Macron-Kampagne bereits mindestens seit Februar attackiert. Damit habe der Pro-EU-Kandidat Macron im Kampf gegen die Rechtsextreme Marine Le Pen, die Frankreich aus der EU führen will und die russische Politik in der Ukraine unterstützt, geschwächt werden sollen.

Flashpoint, ein US-Cyber-Nachrichtendienst, brachte am Wochenende die Hackergruppe APT 28 mit den Macron-Hacks in Verbindung. Laut Geheimdienstmitarbeitern und Cyber-Experten ist APT 28, auch bekannt unter dem Namen Fancy Bear, mit dem GRU, Russlands militärischem Nachrichtendienst, verknüpft. Sie soll auch eine der zwei Gruppen sein, die nach US-Geheimdienstinformationen für die E-Mail-Hacks gegen Hillary Clinton während des US-Wahlkampfs 2016 verantwortlich sind.

US-Senatoren stellen Fragen zur Frankreich-Wahl

Senator Richard Durbin forderte gestern in einem offenen Brief an das US-Justizministerium, das FBI und an den Director of National Intelligence eine „detaillierte Auskunft darüber, wie die Trump-Administration diesen Angriff auf die französischen Wahlen einstuft und was die Antwort der Regierung darauf sein wird.“

Zwei der US-Quellen notierten, die Angriffe von Hackern und russische Propaganda hätten zum Ende des Wahlkampfes zugenommen: „Als es Macron gegen Le Pen hieβ, haben sie alles versucht, um Le Pens Chancen zu erhöhen. Auβerdem wurden die französischen Versionen von RT und Sputnik [zwei Medienkanäle, die von der russischen Regierung kontrolliert werden] genutzt, um Propaganda und Fake News zu verbreiten.“

In den letzten Tagen vor der Stichwahl hatten viele Pro-Trump-Blogger in den USA die Macron-Leaks am aggressivsten verbreitet. Dabei seien die US-Behörden jedoch von der Unbeholfenheit der Hacker überrascht gewesen: so wurde der Groβteil der Daten erst kurz vor der Wahl veröffentlicht – und aufgrund der Nachrichtensperre an Wahltagen nicht mehr von französischen Medien aufgegriffen.

Einige Experten glauben auch, dass die Hacker die Anfälligkeit der Franzosen für solche Nachrichten falsch eingeschätzt haben. „Europäer sind möglicherweise resistenter gegen russischen Einfluss, weil sie immer an der Front waren und russische Einmischung seit dem Zweiten Weltkrieg kennen“, mutmaβt ein US-Beamter.

EU: Rüsten für den Cyberkrieg

Wie umgehen mit Hackerangriffen und staatlich lancierten Falschmeldungen? Während die EU noch diskutiert, schaffen ihre Mitglieder Fakten.

Trotzdem sei Frankreich so etwas wie ein Hotspot für russische Spionagearbeit in Westeuropa, beobachtet ein Geheimdienstmitarbeiter. Dies habe sich besonders seit 2014 gezeigt, als die EU Sanktionen gegen Russland aufgrund der Krim-Annexion erlieβ. Heute gebe es mehr russische Geheimdienstler in Frankreich als während des Kalten Krieges. H4, die nationale Anti-Spionageeinheit der französischen Generaldirektion für innere Sicherheit (DGSI), sei aufgestockt worden, um dieser Gefahr entgegenzutreten.

„Während des Kalten Krieges waren die USA der Hauptgegner“, erklärte einer der US-Geheimdienstler. „Jetzt sind die EU-Sanktionen und die NATO-Erweiterung Putins gröβte Sorge. Da bietet der Aufstieg von extrem-rechten und nationalistischen Parteien eine gute Gelegenheit, die europäische Einheit zu stören.“

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