ONE: Nur Bildung rettet Frauen und Mädchen aus Elend

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Gleichstellung ist auch zum 40. Weltfrauentag weltweit noch lange nicht selbstverständlich. Dabei könnten vor allem Bildungsinvestition Millionen Mädchen und Frauen maßgeblich helfen, mahnt die Entwiklungsorganisation ONE.

Soviel wie ein Brot oder eine Tageszeitung: So gering sind die Kosten für die Schulbildung eines Mädchens pro Tag – oft sogar weniger. Dennoch haben etwa 130 Millionen Mädchen weltweit noch immer keinen Zugang zu Bildung, warnt die Hilfsorganisation ONE anlässlich des Weltfrauentags. Wäre das die Bevölkerung eines Landes, würde es sich um das zehntgrößte Land der Welt handeln – größer als Deutschland und Spanien zusammen.

Die Folgen für diese benachteiligten Mädchen sind gravierend. „Wir werden extreme Armut niemals beenden, wenn wir der Bildung keine Priorität einräumen“, beklagt ONE in seinem neuen Bericht „Armut ist sexistisch“. Das sei fatal in jeder Hinsicht. Denn Mädchen, die keine Schule besuchen, würden mit viel höherer Wahrscheinlichkeit schon im Kinderalter verheiratet oder sich mit Krankheiten wie HIV anstecken.

Hätten alle Mädchen Zugang zu Bildung bis zur Sekundarstufe könnte das laut ONE in Subsahara-Afrika dazu beitragen, das Leben von 1,2 Millionen Kindern zu retten. Derselbe Bildungszugang von Mädchen wie für Jungen könnte den Entwicklungsländern zudem jährlich mindestens 112 Milliarden US-Dollar bringen. Und würde zur Stabilisierung von Gesellschaften beitragen, die anfällig für Extremismus sind.

Notstand in Nigeria

Alarmierend prekär ist die Lage in Konfliktregionen, so ONE. Aktuell benötigen allein in den drei am heftigsten von Konflikten betroffenen Bundesstaaten im Nordosten Nigerias 2,9 Millionen Kinder Notschulprogramme. Angesichts der Aktivitäten der Extremistenorganisation Boko Haram (was übersetzt so viel wie ‚Westliche Bildung ist verboten‘ heißt), die die Region immer weiter destabilisiert und besonders Bildung ins Visier genommen hat, enorm wichtig.

Im Laufe des Konflikts wurden mehr als 1.000 Schulen beschädigt oder zerstört, 1.500 Schulen mussten schließen. Seit November 2016 wurden 645 Lehrerinnen und Lehrer ermordet und 19.000 weitere vertrieben. Bildungsinvestitionen wäre hier bitternötig, wirkungsvoll – und finanziell machbar. Denn die Kosten für eine zwölfjährige Schulausbildung, also Primar- und Sekundarstufe, würde sich in den ärmsten Ländern gerade einmal auf 1,17 US-Dollar pro Tag belaufen, schätzt ONE.

Auch Frauen in der EU weiterhin schlechter bezahlt

40 Jahre ist es her, dass die Vereinten Nationen den 8. März zum Weltfrauentag erklärten. Getan hat sich seitdem einiges in Sachen Gleichberechtigung – aber lange nicht genug, mahnen zahlreiche Verbände und Hilfsorganisationen. Der Weg zur völligen Selbstbestimmung von Frauen weltweit ist noch lange nicht bis zum Ende gegangen.

Auch nicht in der EU, wie Zahlen des Europäischen Statistikamt Eurostat zeigen. In Deutschland verdienen Frauen in Führungspositionen demnach durchschnittlich 12,38 Euro weniger pro Stunde als Männer. In der gesamten EU liegt der Unterschied bei 9,20 Euro.

Der Fehltritt des EU-Abgeordneten Janusz Korwin-Mikke: Ein Zeichen

Frauen in Europa stellen weiterhin die Mehrheit in schlechter bezahlten Berufen wie der Pflege, verdienen bei gleichwertiger Arbeit weniger und kommen schwerer in Spitzenpositionen. Ein Fakt, der auch von Politikern zum Teil nicht nur toleriert, sondern sogar gewollte wird, wie der Redebeitrag des polnischen EU-Abgeordneten Janusz Korwin-Mikke am Mittwochabend zeigte. „Natürlich müssen Frauen weniger als Männer verdienen“, sagte der fraktionslose Parlamentarier bei einer Plenardebatte über geschlechterspezifische Einkommensunterschiede in Brüssel. „Weil sie schwächer, kleiner und weniger intelligent sind“.

Er sorgte damit zwar für einen Eklat, der laut EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani zu Sanktionen von einer Ermahnung über eine Geldstrafe bis hin zu einem zeitweisen Entzug der Stimmrechte sowie einem vorübergehenden Teilnahmeverbot für Aktivitäten des Parlaments führen könnte. Es zeigte aber auch, dass Gleichstellung auch in Europa noch nicht selbstverständlich ist.

 

Und eine Umkehr der Gleichberechtigung kann nicht ausgeschlossen werden. Nicht nur die Frauen in den USA unter ihrem neuen Präsidenten Donald Trump müssen Rückschritte befürchten. Auch einige AfD-Funktionäre in Deutschland sind Abtreibungsgegner und verfechten das für viele rückständig wirkende Ideal der Vater-Mutter-Kind-Familie.