Gas-Pipeline zwischen Italien und Israel wird wahrscheinlicher

Mit der Pipeline zwischen Italien, Griechenland und Israel würde auch eine Verbindung zu Gasfeldern in Zypern (im Bild) geschaffen. [Shutterstock]

Zypern, Griechenland, Israel und Italien haben gestern eine Absichtserklärung unterzeichnet. Die vier Staaten wollen die längste Unterwasser-Gaspipeline der Welt bauen.

„Dieses Projekt sichert langfristig die Exportroute von Israel und Zypern nach Griechenland, Italien und in andere europäische Märkte. Dadurch wird die Versorgungssicherheit der EU verbessert,“ so die gemeinsame Stellungnahme. Weiter hieß es, die vier Staaten wollen gemeinsam Studien zu Bau und Betrieb des ambitionierten Projekts erstellen. Die Pipeline sei technisch und finanziell tragbar.

Die Leitung soll ungefähr 2000 Kilometer lang sein und eine jährliche Kapazität von 10 bis 16 Milliarden Kubikfuß (ca. 283-453 Millionen Kubikmeter) haben. Die Baukosten werden auf fünf Milliarden Euro geschätzt. Das Projekt könnte 2025 abgeschlossen werden.

Bei der gestrigen Unterzeichnung der Absichtserklärung waren die israelischen, zyprischen und griechischen Energieminister Yuval Steinitz, George Lakkotrypis und Giorgos Stathakis sowie der italienische Botschafter in Zypern, Andrea Cavallari, anwesend. Auch Christopher Jones, der Vize-Generaldirektor für Energie der Europäischen Kommission, war zugegen.

Unterseekabel nach Griechenland und Israel: Zypern beendet Energie-Isolation

Mit der neuen Verbindung soll auch das Potenzial der großen Gasreserven im östlichen Mittelmeer genutzt werden.

Im April hatten Vertreter der EU und der vier Staaten eine gemeinsame Erklärung zu der Pipeline, über die Gas aus Israels Leviathan-Feld und Zyperns Aphrodite-Block nach Europa exportiert werden soll, unterzeichnet.

Mit dieser Unterzeichnung wurde der Aufbau einer Arbeitsgruppe beschlossen, die die zwischenstaatliche Entscheidungsfindung koordinieren soll. Diese Gruppe wird wohl im Frühling 2018 bei einem Treffen auf Kreta aus der Taufe gehoben.

Die geplante Pipeline soll das Leviathan- mit dem Aphrodite-Feld verbinden und dann über Kreta weiter auf das griechische Festland und nach Italien führen. Das Projekt könnte profitabler werden, sollten Israel und Zypern weitere Gasfelder im Mittelmeer entdecken. Kritiker warnen allerdings, dass die fallenden Gaspreise sowie die immer niedrigeren Kosten für erneuerbare Energie das Projekt finanziell unrentabel machen könnten.

Zypern ist derzeit das einzige EU-Mitgliedsland, das keine Gas- oder Stromverbindungen zu Nachbarstaaten hat. Somit erfüllt es nicht die Energieunion-Ziele der EU. Im Oktober einigte sich Nikosia mit Athen auf ein weiteres großes Energieprojekt, das sogenannte EuroAsia-Stromkabel, das Griechenland via Zypern und Kreta mit Israel verbinden soll.

Dieses 1500 Kilometer lange Kabel mit einer Kapazität von 2000 MW könnte sehr viel schneller realisiert werden als die angedachte Gas-Pipeline und bereits 2022 in Betrieb sein. Die Kosten werden auf 3,5 Milliarden Euro geschätzt.

Hintergrund

Mit den Plänen für die Energieunion wollen die 28 EU-Staaten ihre Abhängigkeit von russischem Gas verringern und die Energiezufuhr diversifizieren, um die Energiesicherheit zu gewährleisten. Darüber hinaus müssen auch die Verpflichtungen des Pariser Klimaabkommens eingehalten und die CO2-Ausstöße begrenzt werden. Zwischen NGOs, Gesetzgerbern und der Energieindustrie herrscht daher Streit darüber, ob Erdgas weiter gefördert wird oder ob man sich ausschließlich auf erneuerbare Energien konzentrieren sollte. Dabei heißt es von der einen Seite, erneuerbare Energiequellen seien nicht verlässlich genug, um alleine die Energieunion zu verwirklichen. Die andere Seite verweist darauf, dass fossile Brennstoffe wie Gas keinen Platz im zukünftigen europäischen Energiemix haben können.