Europas Kirchen wollen mehr Zusammenarbeit mit der EU

Die Kommission der Bischofskonferenzen der EU betonen ihre pro-europäische Haltung. [COMECE]

Europas Kirchenvertreter wollen sich in Fragen, die die Europäische Union betreffen, öfter und merkbar zu Wort melden.

Das ist das Resultat einer Tagung der COMECE, der Kommission der Bischofskonferenzen der EU. Der Münchner Kardinal, Reinhard Marx, sagte am Rande der Konferenz: „In 20, 30 oder 50 Jahren wird man auch fragen: Wo war die Kirche in den Auseinandersetzungen über die Zukunft Europas?“

Marx, zugleich auch Präsident der COMECE, und der anglikanische Bischof Christopher Hill, Präsident der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK), nahmen das 60-Jahr-Jubiläum der Unterzeichnung der Römischen Verträge zum Anlass, um mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker nach dessen Rückkehr vom EVP-Kongress auf Malta zusammenzutreffen.
Dabei unterstrichen sie, dass Europa mit nie dagewesenen Schwierigkeiten zu kämpfen habe, die eine Herausforderung an alle verantwortungsbewussten gesellschaftlichen Kräfte darstellen. Um diese Schwierigkeiten zu bewältigen, sei eine bessere Zusammenarbeit für Frieden, Gerechtigkeit und Solidarität unverzichtbar. Am Bekenntnis zu Europa und am Festhalten des europäischen Einigungsprozesses führe erst recht in einer Zeit der Krisen und des Pessimismus kein Weg vorbei.

Eine schlechte Union ist noch immer besser als gar keine

Die europäischen Kirchen gehören nicht zu den Europa-Skeptikern. Im Gegenteil: „Mehr denn je glauben wir an das europäische Projekt und sind überzeugt, dass ein gemeinschaftlicher Weg, der auf gemeinsamen Werten beruht, der beste Weg ist“, lautet deren Botschaft. Europa trage zum Frieden in einer Welt bei, der auch heute nicht selbstverständlich sei.

Besonderes Augenmerk müsse „den sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen der Globalisierung“ gewidmet werden, um der sozialen Ungleichheit in ihren Ursprüngen zu begegnen.

Mit Blick auf die Flüchtlingskrise sowie den Umgang mit den Asylsuchenden und Migranten, fordern die Kirchen, dass Europa auch wieder ein Orientierungspunkt für Humanität wird.
Luxemburgs Erzbischof Jean-Claude Hollerich verwies darauf, dass das politische Problem der Flüchtlinge nicht national, sondern europäisch gelöst werden.Dazu gehöre auch eine starke europäische Stimme in der Außenpolitik sowie eine EU, die sich vermehrt gegen die Fluchtgründe engagiere und sich in Kriegsgebieten wie dem Irak und Syrien für Gerechtigkeit und Frieden einsetze.

Hollerich betonte sehr deutlich, dass ein Zerfall Europas unbedingt verhindert werden muss.“Eine schlechte Union ist immer noch besser als keine Union“.

Ein Wahlsieg Marine Le Pens in Frankreich wäre  aus seiner Sicht eine Katastrophe. „Wenn Frankreich eine Präsidentin des Front National hätte, wäre das mehr als ein Riss für Europa. Das würde an den Grundfesten Europas rütteln.“