Ein Toter bei mutmaßlichem Anschlag vor Moschee in London

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In London hat es einen vermeintlichen Angriff auf eine Moschee gegeben. [City.and.Color/Flickr]

In London ist ein Kleintransporter in eine Gruppe Gläubige vor einer Moschee gerast. Dabei wurde laut Polizei mindestens ein Mensch getötet, zehn weitere sind verletzt.

Der Fahrer des Wagens wurde festgenommen. Premierministerin Theresa May sagte am Montag, der Vorfall werde wie ein möglicher Anschlag behandelt. Der größte muslimische Dachverband Großbritanniens sprach von einem Akt der Islamophobie.

Der Vorfall ereignete sich am Sonntag nach dem Abendgebet zum Fastenmonat Ramadan vor der Finsbury-Park-Moschee im Norden der britischen Hauptstadt. Der erste Notruf ging 20 Minuten nach Mitternacht ein. Augenzeugen berichteten, dass der Transporter gezielt in die Menge gesteuert wurde, als die Gläubigen aus der Moschee strömten. „Ich habe vom Fenster viele Schreie gehört, es herrschte Chaos“, berichtete eine Anwohnerin dem Sender BBC. „Alle haben geschrien: Ein Van hat Menschen angefahren.“ Andere Zeugen berichteten, der Fahrer habe versucht zu flüchten. Mehrere Menschen hätten ihn aber festgehalten, bis die Polizei eingetroffen sei. Es werde ermittelt, teilte die Polizei mit. Der 48-Jährige werde auf seine geistige Zurechnungsfähigkeit untersucht. Der Zeitung „The Guardian“ zufolge beteiligte sich auch die Anti-Terror-Polizei an den Untersuchungen.

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May sprach von einem „schrecklichen Vorfall“. Ihre Gedanken seien bei den Opfern und deren Angehörigen. Der Vorsitzende der oppositionellen Labour-Partei, Jeremy Corbyn, erklärte, er sei „vollkommen schockiert“.

Britische Muslime sprechen von gezielter Attacke

Ein Vertreter des britischen Rats der Muslime (MCB) sprach von einem vorsätzlichen Angriff. Mehrere Menschen seien von der Moschee gekommen, um einem Mann zu helfen, der offenbar krank zu Boden gefallen sei. Daraufhin sei der Transporter absichtlich in diese Gruppe gefahren. Der Vorfall demonstriere die wachsende Feindseligkeit gegen Muslime in Großbritannien. Der Verband forderte zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen, besonders während des Fastenmonats Ramadan. Londons Bürgermeister Sadiq Khan erklärte, es seien zusätzliche Polizisten eingesetzt worden, um muslimische Gemeinden vor Übergriffen zu schützen.

Der erneute Zwischenfall ereignete sich am Vorabend des Beginns der Verhandlungen Großbritanniens zum Austritt aus der EU.

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London steht nach mehreren Anschlägen derzeit unter erhöhter Alarmbereitschaft. Anfang Juni waren drei Islamisten mit einem Kleintransporter auf der London Bridge in eine Menschenmenge gefahren und hatten danach Passanten in Restaurants und Bars willkürlich mit Messern attackiert. Dabei waren sieben Menschen getötet und etwa 50 verletzt worden. Die Attentäter wurden schließlich von Polizisten erschossen.

Im März tötete ein mutmaßlicher Islamist auf der Westminister Bridge mit einem Auto zwei Menschen und verletzte weitere. Anschließend erstach er auf dem Parlamentsgelände einen unbewaffneten Polizisten, ehe er erschossen wurde. Zudem wurden bei einem Selbstmordanschlag auf ein Pop-Konzert in Manchester im Mai 22 Menschen getötet.

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