Die Deutschen haben genug vom Auto

Keine Lust mehr auf das Autofahren: Viele Deutsche würden gerne umsteigen. [epSos .de/Flickr]

Eine Studie zum Umweltbewusstsein zeigt: Zwei Drittel der Deutschen wünschen sich eine bessere Infrastruktur fürs Fahrradfahren. Die meisten Autofahrer würde gern auf Bus und Bahn umsteigen. EURACTIVS Medienpartner „Der Tagesspiegel“ berichtet.

Das autonome Fahren sieht Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) noch nicht als Lösung für „Mobilitätsprobleme der Älteren“. Am Mittwoch sagte sie in Berlin: „Die Deutschen akzeptieren nicht einmal Automatik-Autos, weil sie in Gängen herumrühren müssen, da fällt es mir schwer, mir einen heute 75-Jährigen in zehn Jahren vorzustellen, der sich in ein fahrerloses Auto wagt.“ Aber gerade beim Auto sieht Hendricks einen Bewusstseinswandel.

Zum ersten Mal haben die Autoren in der nunmehr elften Umweltbewusstseinsstudie detailliert die Haltungen zum Auto und zur Mobilität abgefragt. 91 Prozent der insgesamt rund 4000 Befragten sagt, dass das Leben besser werde, wenn der Einzelne nicht mehr auf ein Auto angewiesen wäre. 79 Prozent wünschten sich für ihren Wohnort eine Stadtentwicklung, die Alternativen zum Auto fördert.

Automatisiertes Fahren: Bundesregierung arbeitet an neuem Gesetz

Die Bundesregierung will einem Medienbericht zufolge das automatisierte Fahren in Deutschland mit einer Änderung des Straßenverkehrsgesetzes vorantreiben.

Hendricks war besonders beeindruckt, dass 46 Prozent der befragten Autofahrer, die in Kleinstädten oder Dörfern mit bis zu 20 000 Einwohnern leben, sich vorstellen könnten, auf Bus und Bahn umzusteigen. In den Großstädten liegt dieser Wert sogar bei 60 Prozent. Zwei Drittel der Befragten wünschen sich eine bessere Fahrradinfrastruktur. Gleichzeitig gaben aber auch 70 Prozent der Befragten an, im Alltag täglich oder mehrmals pro Woche mit dem Auto unterwegs zu sein.

Bewusstsein geht Verhalten voraus

Harry Lehmann, Chef der Klima- und Energieabteilung im Umweltbundesamt (UBA), wies darauf hin, dass das Bewusstsein dem realen Verhalten immer voraus sei. Das zeigt sich in der Studie auch noch an anderen Stellen, beispielsweise wenn es um den Fleischverzehr und die Haltung zur Ernährung geht. Aber ohne einen Bewusstseinswandel seien Veränderungen auch nicht möglich, betonte Barbara Hendricks.

Tempolimit: EU plant automatische Bremssysteme

Die EU-Kommission denkt darüber nach, automatische Bremssysteme für neue Fahrzeuge einzuführen, um die Zahl der Verkehrstoten zu senken. Dadurch würden Raser automatisch ausgebremst.

Die Umweltministerin sieht sich jedenfalls in ihrer Strategie, vom Verkehrs- und Landwirtschaftssektor mehr Umweltschutz und Klimaanstrengungen zu fordern, bestätigt. Nach dem öffentlichen Aufschrei der Bauern anlässlich Hendricks’ „Bauernregeln“ (Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein!) hätten ihr diese vorgeschlagen, sich doch lieber mit den 40 Millionen Autos zu beschäftigen statt mit vier Millionen Kühen, erzählte sie lächelnd.

Die großen Themen für die nächste Regierung sieht Hendricks bei der Verknüpfung der Umweltthemen mit sozialer Gerechtigkeit. Das Risiko, dass Umwelt- und Klimaschutz als „Eliten-Thema“ diskreditiert und deshalb abgelehnt werden könnte, sieht sie durchaus. Zumal 37 Prozent der Befragten ein Spannungsfeld zwischen Umwelt- und Klimaschutz sowie der sozialen Gerechtigkeit sehen. Themen, an denen sich das festmacht, sind beispielsweise Mietpreissteigerungen nach einer energetischen Sanierung.

EU sagt Krebs den Kampf an

Inhaltsstoffe wie Quarz- oder Hartholzstaub sind krebserregend, trotzdem sind ihnen jeden Tag Millionen Arbeiter ausgesetzt. Die Kommission fordert jetzt Höchstgrenzen für die umstrittenen Stoffe – und begibt sich damit in schwieriges Fahrwasser.

Vorwürfe gegen die Union

Hendricks warf der Union vor, „an dieser Stelle den Koalitionsvertrag zu brechen“, weil sie verhindere, dass die Modernisierungsumlage von elf Prozent gesenkt werde, wie die SPD das verlangt hatte. Auf der anderen Seite gibt eine Mehrheit der Befragten an, dass Umweltschutz die Voraussetzung für den Wohlstand sei. „Dass dieser Zusammenhang mehr und mehr verstanden wird“, sieht Hendricks als großen Erfolg.

Bei der Klimapolitik dagegen sind die Deutschen skeptisch, was den Erfolg angeht. Zwei Drittel sind der Auffassung, dass Deutschland die Herausforderungen des Klimawandels nicht bewältigen könne. An eine treibhausgasneutrale Weltwirtschaft im Jahr 2100 glaubt nur eine kleine Minderheit der Befragten. Im Kanon der Themen behauptet sich die Klima- und Umweltpolitik aber konstant seit 22 Jahren.

Biodiesel klimaschädlicher als fossile Brennstoffe

Biodiesel erhöht die Schadstoffemissionen, statt sie zu senken. Diesen Effekt würden im Jahr 2020 zusätzliche zwölf Millionen Autos auf den Straßen haben, warnen Umweltaktivisten. EURACTIV Brüssel berichtet.

Die Deutschen halten diese Themen für die drittwichtigsten 2016 nach der Flüchtlingsproblematik und Sicherheit. Für das größte Umweltproblem halten die Deutschen übrigens Plastikmüll im Meer. Ein Hinweis auf die Präsenz des Themas in der Öffentlichkeit im Vergleich zu dem von der Reichweite her weit größeren Klimaproblem, das zwar ebenfalls gut 90 Prozent der Deutschen wir wichtig halten, aber für sehr wichtig halten es nur etwas mehr als die Hälfte, aber Drei Viertel sehen den Meeresmüll als das größere Problem an.