Die Europäischen Linken unter neuem Vorsitz

Gregor Gysi erhält bei einem Votum knapp 68 Prozent [Foto: dpa (Archiv)]

Der frühere Chef der Linksfraktion im Bundestag, Gregor Gysi, ist zum neuen Vorsitzenden der Europäischen Linken gewählt worden.

Bei der Abstimmung auf dem Parteikongress in Berlin erhielt Gysi, der ohne Gegenkandidat angetreten war, am Samstag lediglich 67,6 Prozent der Stimmen.
Der 68-Jährige tritt die Nachfolge des Franzosen Pierre Laurent an, der die Europäische Linke sechs Jahre lang geführt hatte.

Gysi wurde für eine Amtszeit von drei Jahren gewählt. Laurent von der Kommunistischen Partei Frankreichs wird den Angaben zufolge weiter als einer von vier Vizepräsidenten in der Parteiführung aktiv sein.

Gysi zeigte nach der Wahl demonstrativ Respekt vor der neuen Aufgabe. „Die Wahl zum Präsidenten der Partei der Europäischen Linken (EL) fordert mich heraus“, erklärte er. „Ich will dieser Herausforderung so gut ich kann begegnen.“ In der EL sind zahlreiche europäische Linksparteien versammelt.

Gysi: "Die Europäische Integration ist eine linke Idee"

Die Parteigranden der Linken wehren sich gegen den Vorwurf der Europafeindlichkeit, der durch eine umstrittene Textpassage in einem Entwurf zum Europawahlprogramm aufgeflammt war. Mitnichten rücke man die Partei in die Nähe der europakritischen Alternative für Deutschland (AfD). Doch wer Europa liebe, der müsse die heutige EU ablehnen, mahnen Stimmen vom linken Parteiflügel.

Zuvor hatte Gysi angekündigt, dass er die Kräfte der Linken in Europa bündeln und auf gemeinsame Ziele lenken wolle. Es werde sicher weiter unterschiedliche Akzente der einzelnen Parteien geben, „aber im Ziel, die soziale Spaltung und Perspektivlosigkeit in Europa zu überwinden, sind wir uns einig“, sagte der 68-Jährige der „Frankfurter Rundschau“.

Gysi forderte dabei eine grundlegende Reform der Europäischen Union. Es müsse „erfolgreich für einen Neustart der EU“ gestritten werden, „sonst werden sich die Bevölkerungen von ihr und der europäischen Idee immer stärker abwenden“.

Die EU sei einmal als Friedensprojekt entstanden, um Kriege zwischen Mitgliedstaaten, die das ganze 20. Jahrhundert verheerend geprägt haben. „Inzwischen wird die EU aber von den Regierungen unsozial und undemokratisch genutzt und soll auch zu einem militärischen Akteur auf der Weltbühne