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27/09/2016

Zypern fordert Türkisch als EU-Amtssprache

EU-Innenpolitik

Zypern fordert Türkisch als EU-Amtssprache

Mustafa Kemal Atatürk, Begründer der modernen Türkei, führte zahlreiche Reformen zur "Europäisierung" des Landes durch – darunter der Wechsel vom arabischen zum lateinischen Alphabet.

[Tony Woods/Flickr]

Türkisch soll EU-Amtssprache werden, fordert der griechisch-zyprische Präsident Nikos Anastasiades von der niederländischen EU-Präsidentschaft. So will er den Wiedervereinigungsprozess auf der Mittelmeerinsel fördern. EurActiv Brüssel berichtet.

Die EU solle den Weg für die Aufnahme des Türkischen in den Kreis der 24 EU-Amtssprachen bereiten, heißt es in einem Schreiben des griechisch-zyprischen Präsidenten Nikos Anastasiades an die niederländische Präsidentschaft. Die Existenz des Briefes wurde am gestrigen Montag bestätigt.

Eine solche Forderung formulierte Zypern erstmals 2002 im Rahmen seiner eigenen EU-Beitrittsverhandlungen. Damals wurde jedoch geraten, „das Ganze nicht allzu aggressiv zu verfolgen“. Denn zum einen bedeuten mehr Sprachkombinationen natürlich auch immer höhere Kosten; zum anderen wollte man das heikle Thema der Beziehungen zwischen der EU und der Türkei meiden.

Nikosias erneuertes Interesse daran, Türkisch zur EU-Amtssprache zu machen, legt nahe, dass es Chancen auf eine Wiedervereinigung des seit 1974 geteilten Zyperns gibt. Die Türkische Republik Nordzypern (TRNZ), bisher nur von der Türkei anerkannt, und die fast universell anerkannte Republik Zypern im Süden scheinen zuversichtlich, bald ein Abkommen zu erreichen.

Die Insel selbst verfügt über zwei Amtssprachen: Griechisch und Türkisch. Der Großteil der türkischsprachigen Menschen lebt im Norden des Landes. Die EU misst nationalen Amtssprachen nicht immer den gleichen Stellenwert bei. So erklärte man Luxemburgisch zwar 1984 zur nationalen Amtssprache des Großherzogtums – auf EU-Ebene gab es jedoch bisher nie Ambitionen, der Sprache denselben Status zu übertragen. Veränderungen in der Sprachpolitik der Union können generell nur dann beschlossen werden, wenn alle 28 Mitgliedsstaaten übereinstimmen.

Jeder Bereich der EU-Politik hat seinen eigenen Übersetzungsdienst. Das größte Arbeitsvolumen übernimmt die Generaldirektion Übersetzung der Kommission. Pro Jahr steht ihr ein Budget von etwa 330 Millionen Euro zur Verfügung. 2014 übersetzten die Mitarbeiter insgesamt 2,3 Millionen Seiten. Schätzungen zufolge machen die Gesamtkosten der Übersetzungen aller Institutionen etwa ein Prozent des jährlichen EU-Haushalts aus – das sind zwei Euro pro EU-Bürger.

Eine weitere Sprache hinzuzufügen, würde erwartungsgemäß 37 Millionen Euro an Mehrkosten verursachen, da die Anzahl der möglichen Sprachkombinationen von 552 auf 600 steigen würde. Dennoch wäre die Einführung des Türkischen wahrscheinlich kein großer Aufwand. Immerhin verfügen Institutionen wie der Rat bereits über Türkischspezialisten, da die EU regelmäßig mit Ankara im Gespräch ist und Verhandlungen führt.