Ungarn baut zweiten Grenzzaun

Der Grenzzaun zwischen Ungarn und Serbien [Freedom House/Flickr]

Nach Ungarns kompletter Schließung seiner Grenze zu Serbien baut die Regierung in Budapest ein weiteres Bollwerk. Die ersten Flüchtlinge aus Serbien versuchen nun über das EU-Land Kroatien nach Westeuropa zu kommen.

Die zunehmende Abschottung Ungarns bringt Tausende Flüchtlinge auf der Balkanroute in eine immer verzweifeltere Lage. Wenige Stunden nach Schließung der 175 Kilometer langen Grenze zu Serbien kündigte die Regierung in Budapest am Dienstag an, auch die Grenze zu Rumänien mit einem Zaun abzuriegeln. Dieses Nachbarland gehört anders als Serbien zur EU.

Ungarn wolle verhindern, dass sich Schlepper Ausweichrouten über Rumänien suchten, sagte Ungarns Außenminister Peter Szijjarto zu dem von seinem Land geplanten neuen Grenzzaun. Mit dem Bau werde am ungarisch-serbisch-rumänischen Dreiländereck begonnen. Die Regierung in Bukarest verurteilte den Plan umgehend.

Zeitgleich mit der Abriegelung der Grenze zu Serbien traten in Ungarn verschärfte Gesetze in Kraft. Noch in der Nacht zum Dienstag gab es erste Verhaftungen von Menschen, die den Zaun durchgeschnitten hatten. Tausende Flüchtlinge belagerten zwei Grenzübergänge bei Röszke, wo am Montag die letzte Lücke geschlossen worden war. Für die Menschen ist damit der bisherige Hauptdurchgang auf der Balkan-Flüchtlingsroute gesperrt. Einige kündigten einen Hungerstreik an, wie die ungarische Internet-Zeitung index.hu berichtet.

Nach Ungarns Schließung seiner Grenze zu Serbien hat sich dort ein erster Bus voll mit Flüchtlingen auf den Weg in das EU-Land Kroatien gemacht. Der Bus wurde am frühen Mittwochmorgen an der serbischen Grenzstadt Sid erwartet, wie örtliche Medien berichteten. Die Insassen waren demnach die Nacht über unterwegs, nachdem sie von der rund 500 Kilometer entfernten Grenze zu Mazedonien gestartet waren.

Etwa 300 Flüchtlinge steckten weiter hinter dem ungarischen Grenzzaun im Nicht-EU-Land Serbien fest. „Warum tun sie das“, frage eine Afghanin mit einem Kind auf dem Arm an der serbischen Grenze zu Ungarn. „Es war wirklich schlimm letzte Nacht“, beschrieb der 17-jährige Baschir aus Afghanistan die Lage der Flüchtlinge. „Es war kalt, besonders für Familien mit kleinen Babys“, sagte er der Nachrichtenagentur AFP.

In der Türkei haben sich Augenzeugenberichten zufolge Tausende Flüchtlinge auf den Weg zur griechischen Grenze gemacht. Sie fordern, dass die Türkei die Landgrenze in die EU öffnet, damit sie nicht mehr die gefährliche Fahrt über das Mittelmeer riskieren müssen. Auf Fotos aus der Grenzregion waren Sicherheitsbeamte zu sehen, die die Route der Flüchtlinge blockierten.