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25/05/2016

Umfrage: Immer mehr Briten befürworten Brexit

EU-Innenpolitik

Umfrage: Immer mehr Briten befürworten Brexit

Immer mehr Briten wollen entgegen dem Wunsch des britischen Premiers David Cameron den Brexit.

[DFID/Flickr]

Das Lager der Brexit-Befürworter liegt knapp vier Monate vor dem Referendum über Großbritanniens EU-Zukunft in Führung. Doch der politische Gegner könnte David Cameron beim Referendum entscheidend untertützen.

Einen Ausstieg aus der Europäischen Union (EU) befürworten inzwischen 52 Prozent der Briten, wie aus einer am Freitag veröffentlichten Befragung des Instituts ORB für die Zeitung „The Independent“ hervorging. Einen Monat zuvor waren es demnach noch 48 Prozent. Umgekehrt sagten in der jüngsten Umfrage nur noch 48 Prozent, Großbritannien solle in der EU bleiben, während es einen Monat zuvor noch 52 Prozent waren. Im vergangenen Monat habe es einen Meinungsumschwung zugunsten des Brexit gegeben, resümierte ORB.

Zwischen den beiden Befragungen hat der britische Premierminister David Cameron bei seiner Kampagne für eine weitere EU-Mitgliedschaft Gegenwind bekommen. Mit dem Londoner Bürgermeister Boris Johnson schlug sich ein Parteifreund des Konservativen auf die Seite der Brexit-Befürworter.

Allerdings erklärten 60 Prozent der Befragten, Johnsons Schritt habe ein eigenes Votum für den Ausstieg aus der Gemeinschaft nicht wahrscheinlicher gemacht. Die Hälfte erklärte, die Wirtschaft sei für ihre Entscheidung wichtiger als das Thema Einwanderung. Die Briten stimmen am 23. Juni über ihre EU-Mitgliedschaft ab.

Am Ende könnte es ausgerechnet der politische Gegner sein, der dem britischen Premierminister David Cameron bei der Volksabstimmung über einen EU-Austritt die Haut rettet.

Der konservative Regierungschef kann in Streit über den „Brexit“ nicht auf die Ressourcen seiner Partei zugreifen, die so tief gepalten ist, dass sie sich neutral erklärt hat. Damit bleibt die Wahlkampf-Maschinerie, die Cameron im Mai zu einem unerwarteten deutlichen Sieg führte, ausgeschaltet. Labour dagegen kann aus dem Vollen schöpfen. „Wir haben die Leute dafür“, sagt die Labour-Abgeordnete Emma Reynolds.

Ihre Partei trage die Verantwortung, bei dem Referendum mit den Labour-Anhängern zu sprechen und sie dazu zu bewegen, für einen Verbleib in der EU zu stimmen – was auch Camerons Ziel ist. Labour steht damit nicht nur Seite an Seite mit dem politischen Rivalen Cameron: Auch die Chefs großer britischen Unternehmen haben vor einem EU-Austritt gewarnt.

Tatsächlich könnte es bei dieser Wahl auf jede Stimme ankommen. Umfragen zufolge liegen Befürworter und Gegner des „Brexit“ vor der Abstimmung am 23. Juni eng beieinander. Einer von vier Briten hat sich dabei noch nicht auf ein Ja oder Nein festgelegt. Dass Labour die Leute stellen könne, die von Tür zu Tür zu gehen und mit den Menschen reden, sei von großer Bedeutung, sagt der für Politik zuständige Direktor der Umfragewebsite YouGov, Anthony Wells. „Das ist nicht sexy“, sagt er. „Das ist der langweilige Organisationskram hinter jeder Abstimmung. Aber er ist wichtig.“