Tourismus in Österreich: Renaissance der Sommerfrische

Nach Terroranschlägen und dem Flugzeugabsturz im Sinai wieder im Kommen: Die "Sommerfrische" in den Alpen.

Nach Terroranschlägen und dem Flugzeugabsturz im Sinai wieder im Kommen: Die "Sommerfrische" in den Alpen. [Kurt Rietzler/Flickr]

Die Terroranschläge in einigen stark frequentierten Tourismusregionen und der Absturz einer russischen Ferienmaschine über dem Sinai haben auch in Österreich Einfluss auf den Tourismus. Wie jüngste Statistiken zeigen, erlebt unter anderem die „Sommerfrische“ in der Alpenregion eine Renaissance.

Geht es nach der jüngsten Studie des Wirtschaftsforschungsinstitutes (Wifo), so gibt es in Mitteleuropa einen neuen Tourismustrend zu verzeichnen. Das wird auch von den einschlägigen Fachleuten so interpretiert: Es sind nicht mehr nur Fernziele und Kreuzfahrten, die Anziehungskraft auf das Publikum ausüben. Nicht nur aus den Übernächtigungszahlen lässt sich nämlich ablesen, dass die sogenannte „Sommerfrische“ in der Alpenregion boomt. Das bestätigen auch Umfragen und diverse Erhebungen.

Waren es in den letzten Jahrzehnten Urlaube in den Clubs an diversen Meeresstränden, Flugreisen in wärmere Regionen, Fluss- und Hochseekreuzfahrten, die die Tourismusbetriebe vor allem in der Alpenregion schlecht aussehen ließen, so hat sich das Blatt gewendet. Ursache dafür war nicht nur ein besonders wetterbegünstigter Sommer. Vielmehr entscheiden sich viele Reiselustige plötzlich wieder, in einer Region Urlaub zu machen, die Sicherheit offeriert. Mit dem Effekt, dass Österreich nun die besten Frequenzen und Zahlen auf dem Tourismussektor seit mehr als 20 Jahren verzeichnet.

Alpine und voralpine Regionen boomen

Nach den vorliegenden Daten (Mai bis September) verlief die Sommersaison 2015 für die österreichische Tourismuswirtschaft insgesamt sehr erfolgreich: Die Zahl der Nächtigungen stieg um 3,9 Prozent, die Zahl der Ankünfte um 7,2 Prozent. Aufgrund der lebhaften Nachfrage übertrafen auch die Umsätze das Vorjahresniveau (+3,2 Prozent). Es sind vor allem ausländische Gäste, konkret 83 Prozent, die einer der stärksten Säulen der österreichischen Wirtschaft dieses Erfolgserlebnis bescheren.

Als Anziehungspunkte zeigten sich vor allem der alpine und voralpine Raum sowie Städte wie Wien, Graz, Salzburg, Innsbruck und Bregenz. Nicht ganz so gute Zuwachsraten verzeichnen konnte der Wellness-Sektor. Dafür trugen aber vor allem die alpinen Regionen zum Wiedererstarken der Sommersaison in der Alpenrepublik bei. Sie verzeichneten deutlich höhere Nächtigungsgewinne als in früheren Sommersaisonen. Als eine Ursache für diese Entwicklung gilt der voranschreitende Klimawandel, gleichzeitig aber spielen auch andere Motive mit eine Rolle. Man sucht sich wieder nähere Ziele und eben Länder mit einem hohen Sicherheitsstandard. Es ist die alte „Sommerfrische“, die nach einer längeren „Dürreperiode“ attraktiv geworden ist. Ein Trend, den man hofft, in den nächsten Jahren weiter zu verstärken.

Interessant ist, dass der Grundstein für den Urlaub am Land, in den Alpen, der auch für breite Bevölkerungskreisen leistbar ist, heuer vor 70 Jahren gelegt wurde. Nachdem im Mai 1933 von der NS-Regierung in Deutschland eine Tausend-Mark-Sperre verhängt wurde (jeder deutsche Staatsbürger musste fortan beim Grenzübertritt nach Österreich eine Gebühr von 1.000 Reichsmark, entspricht heute ca. 4.200 Euro, zahlen), suchte die Regierung in Wien nach neuen Wegen, um diese schwierige wirtschaftliche Situation zu überbrücken.

Eine davon betraf die verstärkte Investition in Kulturangebote (Stichwort Festspiele) sowie vor allem in den Ausbau von – wie man damals sagte – attraktiven Fremdenverkehrszielen. So wurde 1935 die Großglockner-Hochalpenstraße (damals eine über die Grenzen hinaus gefeierte Bauleistung und Verkehrserschließung des Alpenhauptkammes) eröffnet, mit der zugleich das Projekt „Tourismus in den Alpen“ verbunden war. Und tatsächlich gelang es binnen kurzer Zeit die Sanktionen vergessen zu lassen, neue Gästeschichten aus Europa anzusprechen. Ein Beispiel, das zeigt, dass Krisensituationen am besten durch neue Innovationen gemeistert werden können.