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04/12/2016

The Final Countdown zum Brexit: Die Party-Playlist der britischen Botschaft

EU-Innenpolitik

The Final Countdown zum Brexit: Die Party-Playlist der britischen Botschaft

The Final Countdown ist nur eines der vielen passenden Lieder für die Brexit-Party der Ständigen EU-Vertretung Großbritanniens.

[Pradosh/Flickr]

EXKLUSIV / Die britische Botschaft in Brüssel plant eine Feier für den Abend des Brexit-Referendums. EurActiv Brüssel erhielt Einblick in die Playlist, die mit The Final Countdown von Europe aufwartet.

In nur zwei Tagen fällt die Entscheidung. Wird Großbritannien in der EU bleiben oder den Brexit wagen? Wie auch immer das Ergebnis ausfallen mag, die Diplomaten der britischen Botschaft in Brüssel wollen beim Warten auf die Hochrechnungen das Tanzbein schwingen.

Der vor Kurzem geadelte Botschafter Sir Ivan Rogers wird Drinks an der Bar der ständigen EU-Vertretung Großbritanniens bereitstellen. Die Kneipentür ist angemalt wie der Eingang von Nummer 10, Downing Street.

Mit auf der Party-Playlist ist Rick Astleys unsterblicher Song Never Gonna Give You Up. Darin trällert er:Never gonna give you up, never gonna let you down/ Never gonna run around and desert you/Never gonna make you cry, never gonna say goodbye/ Never gonna tell a lie and hurt you.” („Ich werde dich niemals aufgeben/ Ich werde dich nie im Stich lassen/ Ich werde nie davonlaufen und dich allein lassen / Ich werde dich nie zum Weinen bringen, nie Lebe wohl sagen/ Ich werde dich nie anlügen und verletzen.“)

Wie zu erwarten war, sind auch viele andere britische Klassiker vertreten, etwa Don’t You Want Me Baby? oder Don’t Look Back In Anger von der berühmten Britpop-Band Oasis. Vom rockigen Should I Stay or Should I Go? von The Clash bis hin zu Will Youngs ruhiger Ballade Leave Right Now ist für jeden Musikgeschmack etwas dabei.

Sowohl Brexit-Gegner als auch- Befürworter kommen auf ihre Kosten. Clash-Sänger Joe Strummer röhrt in seinem Lied: „Should I stay or should I go now?/If I go there will be trouble / And if I stay it will be double” ( „Soll ich jetzt bleiben oder gehen?/ Wenn ich gehe, gibt es Ärger / Und wenn ich bleibe, wird er doppelt so groß sein”). Young hingegen klagt: „Think I’d better leave right now/ Before I fall any deeper/ I think I’d better leave right now/ Feeling weaker and weaker” (Ich glaube, es ist besser, wenn ich jetzt gehe/ Bevor ich noch tiefer falle/ Ich glaube, es ist besser, wenn ich jetzt gehe/ Ich fühle mich schwächer und schwächer“).

Die Brexit-Gegner werden sich über die Chart-Stürmer Never Forget von Take That und Stay Another Day von East 17 freuen, während Gloria Gaynors zeitloser Disko-Hit I will survive den Kampfgeist aller Partygäste wecken dürfte.

Beyoncés Irreplaceable mit der ZeileDon’t you ever get to thinking you’re irreplaceable” (“Glaube ja nicht, dass du unersetzlich bist”) und der Schmachtfetzen Stay With Me von Shakespeare’s Sister runden die Playlist thematisch perfekt ab.

Nur Mitarbeiter der Botschaft sind zu den Feierlichkeiten eingeladen. Für sie ist es eine Gelegenheit, nach Monaten harter Arbeit am EU-Reform-Deal Dampf abzulassen. „Wenn es tatsächlich zu einem Brexit kommen sollte, wird hier am Freitag die Hölle losbrechen. Wir werden dann für sehr lange Zeit unglaublich viel zu tun haben“, erfährt EurActiv von einem Botschaftsvertreter. „Die Referendums-Party ist ein guter Weg, um Druck abzubauen und den Menschen hier für ihre harte Arbeit zu danken.“

In ganz Brüssel wird es Brexit-Partys geben, auch wenn viele fürchten, dass das historische Referendum das Ende der EU einleiten könnte. Das zu dieser Sorge passende Lied Ne Me Quitte Pas von Jacques Brel befindet sich erstaunlicherweise nicht auf der Playlist. Vielleich war es aber auch einfach zu deprimierend für eine Party. Einen sehr viel fröhlicheren Abschluss bieten da Haddaways Please Don’t Go und der 80er-Hit Don’t Leave Me This Way von den Communards.

Astley und Brexit

Nicht zum ersten Mal findet sich Rick Astley inmitten der Referendumskampagne wieder. Der pro-europäische Internet-Spaßvogel Mario Van Poppel schnappte den Brexit-Befürwortern die Domäne voteleave.com vor der Nase weg, sodass diese auf die Adresse voteleavetakecontol.org ausweichen mussten. Jeder, der die Webseite voteleave.com besucht, wird automatisch auf das Musikvideo von Rick Astleys ikonischem Song weitergeleitet.

Die Brexit-Party-Playlist

  • The Final Countdown – Europe
  • Never Forget – Take That
  • Leave Right Now – Will Young
  • Never Gonna Give You Up – Rick Astley
  • Don’t Look Back in Anger – Oasis
  • Irreplaceable – Beyoncé
  • I Will Survive – Gloria Gaynor
  • Stay Another Day – East 17
  • Should I Stay Or Should I Go? – The Clash
  • Stay with Me – Shakespeare’s Sister
  • Don’t You Want Me? – Human League
  • Don’t Leave Me This Way – The Communards
  • Please Don’t Go – Haddaway

Hintergrund

Wie läuft die Abstimmung ab?
Die Frage auf den Abstimmungszetteln lautet: "Sollte das Vereinigte Königreich ein Mitglied der Europäischen Union bleiben oder die Europäische Union verlassen?". Eine der beiden Optionen kann angekreuzt werden. Die Wahllokale sind am 23. Juni von 7.00 Uhr morgens bis 23.00 Uhr abends (Ortszeit) geöffnet.

Wie stehen die Umfragen?
Der Ausgang gilt als offen. Nach den letzten sechs Umfragen kamen die Anhänger eines EU-Verbleibs zusammengerechnet auf 51 Prozent, die Gegner auf 49 Prozent. Zwei Meinungsumfragen vom Dienstag sahen zuletzt die Brexit-Befürworter mit 47 Prozent beziehungsweise 45 Prozent vorn. Bis zu 13 Prozent waren allerdings noch unentschieden.

Was passiert, wenn die Briten in der EU bleiben?
Premier David Cameron hat von seinen EU-Kollegen eine Reihe von Zusagen erhalten, die in Kraft gesetzt werden, wenn Großbritannien Teil der Union bleibt. Dazu gehören die Möglichkeit zur Kürzung von Sozialleistungen für EU-Ausländer, Initiativen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit sowie ein stärkeres Einspruchsrecht nationaler Parlamente gegen EU-Vorhaben.

Wären die Briten bei einem "Brexit" schon am 24. Juni nicht mehr EU-Mitglied?
Nein. Nach Artikel 50 des EU-Vertrages handeln beide Seiten zunächst die Einzelheiten des Austritts aus. Dafür ist eine Frist von zwei Jahren gesetzt, die aber verlängert werden kann. Am Ende müsste das Austrittsabkommen durch die verbliebenen Mitgliedstaaten und das Europaparlament gebilligt werden.

Hat die EU einen Plan B(rexit)?
Offiziell nicht: "Es gibt keinen Plan B", erklärt die EU-Kommission regelmäßig. Nach Angaben aus EU-Kreisen gab es aber schon vertrauliche Treffen mit den Mitgliedstaaten, um auf den Ernstfall vorbereitet zu sein. Für die Rechtsabteilung der EU-Kommission wurde für Juli eine Urlaubssperre verhängt.

Wie könnten die künftigen Beziehungen zur EU aussehen?
Großbritannien ist der Zugang zum EU-Binnenmarkt wichtig - die britische Regierung dürfte deshalb nach einem Austrittsvotum versuchen, diesen so weit wie möglich zu erhalten. Eine Möglichkeit wäre ein Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) nach dem Vorbild Norwegens. Alternativ könnte London wie die Schweiz einen Marktzugang über gesonderte Abkommen aushandeln.

Was wären mögliche innenpolitische Folgen?
Cameron hat sein Schicksal de facto mit dem Verbleib in der EU verknüpft. Entscheiden sich die Briten dagegen, dürfte der konservative Premier kaum zu halten sein. In britischen Wettbüros wird der "Brexit"-Befürworter und Londoner Ex-Bürgermeister Boris Johnson als Favorit für die Nachfolge gehandelt. Die Schotten könnten ihrerseits ein neues Referendum über die Abspaltung von Großbritannien ansetzen - denn sie wollen mehrheitlich in der EU bleiben.

Was würde der Brexit wirtschaftlich für Großbritannien bedeuten?
Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt vor einer Rezession. Für die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) würde Großbritannien der EU-Austritt bis 2020 mehr als drei Prozent und bis 2030 rund fünf Prozent seiner Wirtschaftsleistung kosten.

Würde auch die EU-Wirtschaft leiden?
Ja. Großbritannien ist die zweitgrößte EU-Volkswirtschaft, die Handelsbeziehungen zu den anderen Mitgliedstaaten sind eng. Eine Studie des Kreditversicherers Euler Hermes sagt allein für die deutsche Exportwirtschaft bis 2019 Einbußen von 6,8 Milliarden Euro voraus. Die OECD warnt auch vor "Finanzmarktschocks".

Droht ein Dominoeffekt in der EU?
Viele befürchten, dass ein Erfolg der Brexit-Befürworter Nachahmer finden könnte. Euroskeptische Parteien sind in mehreren EU-Ländern im Aufwind. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sagte jüngst, er könne "nicht ausschließen, dass der britische Ausstieg Lust auf mehr machen würde in anderen Ländern"

Zeitstrahl

23. Juni: Brexit-Referendum