Terrorverdächtiger von Chemnitz festgenommen

Der mutmaßliche Anschlagsplaner von Chemnitz ist von der Polizei festgenommen worden. [balipadma / Shutterstock]

Die Polizei hat den mutmaßlichen Anschlagsplaner von Chemnitz gefasst. Die Kriminalbeamten verlangen nun eine bessere EU-Sicherheitsarchitektur.

Der 22-jährige Syrer Jaber A. sei in der Nacht in Leipzig festgenommen worden, teilte die Polizei in Sachsen am Montagmorgen über Twitter mit. Der Mann wird verdächtigt, einen Anschlag vorbereitet zu haben, in einer Wohnung in Chemnitz war Sprengstoff gefunden worden. Nach Behördenangaben hält sich der Mann seit 2015 in Deutschland auf, seit mehreren Monaten ist er als Flüchtling anerkannt. Der Generalsbundesanwalt hat die Ermittlungen übernommen.

Die Polizei hatte fieberhaft nach dem mutmaßlichen Anschlagsplaner gefahndet.

Eine Sprecherin des Landeskriminalamtes Sachsen hatte am Sonntag bestätigt, dass der Mann den Ermittlern am Vortag nur knapp entwischt worden sei. Die Polizisten hätten den Verdächtigen gesehen, einen Warnschuss abgegeben und angenommen, dass der 22-Jährige in die Wohnung flüchtete, die ein Spezialeinsatzkommando später stürmte. Dort fanden die Beamten allerdings nur den Sprengstoff vor, den sie in der Nacht kontrolliert zur Detonation brachten.

Am Sonntag weitete die Polizei die Ermittlungen auf einen zweiten Syrer aus, den Mieter der gestürmten Wohnung, der am Samstag festgenommen worden war. Zwei weitere Verdächtige wurden wieder auf freien Fuß gesetzt.

Der heute 22 Jahre alte Syrer halte sich seit 2015 in Deutschland auf und sei seit mehreren Monaten als Flüchtling anerkannt, erklärte LKA-Sprecher Tom Bernhardt. Er sei in der Vergangenheit nicht polizeilich auffällig geworden.

Gegen beide Syrer wird nach Paragraf 89a Strafgesetzbuch wegen des Verdachts auf die Vorbereitung einer schweren, staatsgefährdenden Straftat ermittelt. Sollten sie verurteilt werden, droht ihnen eine Haftstrafe zwischen sechs Monaten und zehn Jahren.

Kriminalbeamte verlangen bessere EU-Sicherheitsarchitektur

Nach der Festnahme des verdächtigen Syrers hat der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) eine Weiterentwicklung der Sicherheitsarchitektur in der Europäischen Union gefordert. Der jüngste Fall habe sich „lokal in Sachsen abgespielt“, sagte BDK-Vizechef Sebastian Fiedler am Montag im Deutschlandfunk. Dies sei ein „Vorteil“ gewesen, „weil
wir es nicht mit mehreren europäischen Staaten zu tun hatten“.

„Man kann nun nicht sagen, dass sich etwas beruhigt hat dadurch, dass wir einen Täter festgenommen haben“, sagte Fiedler. Es sei „auf unterschiedlichsten Baustellen noch äußerst viel zu tun“ sei. So brauche es eine Optimierung des Informationaustauschs im Bereich der Europäischen Union. „Da fehlen uns ein europäisches FBI und ein europäischer Fahndungsraum“, sagte Fiedler. Auch müssten „erheblich mehr Ressourcen in Deradikalisierungs-Programme“ fließen.