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27/09/2016

Team Stronach: Abgesang einer politischen Kurzzeit-Bewegung

EU-Innenpolitik

Team Stronach: Abgesang einer politischen Kurzzeit-Bewegung

Der austro-kanadische Milliardär Frank Stronach bei der Vorstellung seiner Partei "Team Stronach". Nach seinem Abgang schafft es die Partei nicht einmal, bei der Europawahl mitzumachen. Foto: dpa

Vor vier Jahren, im Sommer 2012, wirbelte ein austro-kanadischer Milliardär die politische Szene in Österreich auf. Jetzt wirft Frank Stronach das Handtuch.

Die Schaffung einer politischen Partei ist nicht mit der Gründung einer Gesellschaft vergleichbar. Diese Erfahrung musste jetzt auch der 83-jährige Frank Stronach machen und seinen Abgesang verkünden. Im Alter von 22 Jahren hatte er seiner Heimat Österreich den Rücken gekehrt und war nach Kanada ausgewandert, um dort sein Glück zu suchen. Tatsächlich schuf er mit dem Magna-Konzern ein weltweit agierendes, erfolgreiches Unternehmen. Mit 79 Jahren entschloss er sich schließlich persönlich, nachdem seine Tochter in der kanadischen Politik Schiffbruch erlitten hatte, in der Alpenrepublik eine politische Bewegung zu inszenieren. Was ihm auch tatsächlich gelang, allerdings nur kurzfristig.

Tatsächlich konnte Stronach eine Zeit lang mit einfachen Sprüchen das Wählervolk faszinieren: „Wir brauchen einen neuen Spirit. Wir sind eine Bewegung, die Österreich zum Guten verändern wird“. Binnen weniger Monate katapultierte er seine Bewegung von Null auf bis zu 15 Prozent. Und es liefen sogar etablierte Politiker zu ihm über. Die traditionellen Parteien mussten fast fassungslos zusehen, wie sein sogenanntes „Team“ auf Anhieb in die Landtage einiger Bundesländer und sogar in den Nationalrat einzog.

Inzwischen sind vom Team Stronach nur mehr Spurenelemente vorhanden. In den Umfragen kommt man unter der Wahrnehmungsgrenze zu liegen. Eine Partei an sich gibt es faktisch nicht mehr. Man hat sich aufgelöst, oder sogar bereits umbenannt, ist zerstritten und ziemlich orientierungslos was die weitere Zukunft betrifft. Bloß die Parteien- und Klubförderung bezieht man noch. Und das bis zum Ende der jeweiligen Legislaturperioden.

Tatsächlich litt das Team Stronach darunter, dass es mit Ausnahme von ein paar, im Grunde genommen inhaltsleeren Überschriften („Wir brauchen wieder Werte in unserer Gesellschaft“) kein in sich geschlossenes und überzeugendes Programm zustande brachte. Und die Mannschaft selbst war zum überwiegenden Teil, von ein paar Ausnahmen abgesehen, eine Vereinigung von oftmals enttäuschten, frustrierten Alt-Politikern, die dank Stronachs Aufstieg die Chance gekommen sahen, es ihren einstigen politischen Parteien noch einmal so richtig hineinsagen und zeigen zu können. Zu wenig, um sich als politischer Faktor etablieren zu können.

In einem ORF-Interview zog der Self-Made-Politiker nun auch die sprichwörtliche Reissleine: „Ich habe bekannt gegeben, dass ich bei der nächsten Wahl nicht mehr antreten werde und der Name Stronach auch nicht mehr verwendet werden soll für politische Zwecke“. Und zum Abschluss gab er noch ein paar politische Ratschläge. So etwa, wie er es sich vorstellen könnte, dass Europa die Flüchtlingskrise in den Griff bekommen kann. Man müsse nur so genannte Schutzzonen errichten, denn sonst würde noch “ganz Afrika reinkommen“. Ach ja, und die Bürger sollten einen leichteren Zugang zum Waffenbesitz erhalten.