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18/01/2017

Tausende Flüchtlinge landen in Kroatien

EU-Innenpolitik

Tausende Flüchtlinge landen in Kroatien

Flüchtlinge in Kroatien auf dem Weg zu einer Erstaufnahmeeinrichtung. Foto: dpa

Immer mehr Flüchtlinge bahnen sich über Kroatien ihren Weg nach Mitteleuropa. Die kroatische Polizei meldete am Donnerstag die Ankunft von 5.650 Menschen. Die Regierung inm Zagreb fordert jetzt mehr Unterstützung von der EU.

Nach der Schließung der ungarischen Grenze zu Serbien ist die Zahl der auf Kroatien ausgewichenen Flüchtlinge weiter gestiegen. Binnen 24 Stunden sind meldete am 5650 Menschen angekommen. Das meldete die kroatische Polizei am Donnerstag.

Am Mittwochabend hatten die Beamten noch von rund 1.500 Flüchtlingen gesprochen. Auch das Rote Kreuz teilte am Morgen mit, allein innerhalb eines Tages seien mehrere Tausend ins Land gekommen. Der Zustrom habe über Nacht zugenommen. Immer mehr Flüchtlinge bahnen sich durch das EU-Land Kroatien ihren Weg nach Westeuropa, nachdem die ungarisch-serbische Grenze geschlossen worden war. Die Zahl der illegal nach Deutschland eingereisten Flüchtlinge hat sich am Mittwoch gegenüber dem Vortag verdoppelt. Nach Angaben der Bundespolizei in Potsdam wurden 7.266 unerlaubte Grenzübertritte registriert.

Unterdessen schlug der kroatische Innenminister Ranko Ostojic Alarm. Die Polizei habe die Grenzen zwar unter Kontrolle. „Wenn aber die Flüchtlinge weiter in großer Zahl aus Serbien kommen, müssen wir über andere Wege nachdenken, mit der Situation umzugehen.“ Näher äußerte er sich nicht, brachte aber ein größeres EU-Engagement auf einem früheren Abschnitt der Flüchtlingsrouten ins Gespräch. Kroatien hat erklärt, Tausende, aber nicht Zehntausende Flüchtlinge bewältigen zu können. Im Tagesverlauf will Ministerpräsident Zoran Milanovic mit seinem österreichischen Kollegen Werner Faymann über die Frage sprechen.

Schulz fordert mehr Aufmerksamkeit für solidarische EU-Länder

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz hat unterdessen mehr Aufmerksamkeit für die in der Flüchtlingskrise solidarischen EU-Mitgliedstaaten gefordert. „Wenn da drei oder vier die Solidarität verlassen“, dürfe nicht zugelassen werden, dass die anderen, „die mitmachen, dafür ständig kritisiert werden, dass Europa auseinanderfiele“, sagte Schulz am Donnerstag im ZDF-„Morgenmagazin“. Er kritisierte, dass immer nur über diejenigen Länder gesprochen werde, die keine Flüchtlinge aufnehmen wollten.

Die meisten europäischen Staaten aber würden Flüchtlinge aufnehmen, Deutschland nehme dabei eine führende Rolle ein. „Die Haltung einiger Mitgliedstaaten der Europäischen Union ist ein Ausstieg aus dem Grundprinzip, auf dem die europäische Gemeinschaft aufgebaut ist, nämlich gegenseitige Hilfe und Solidarität“, sagte Schulz. Mit Blick auf den Umgang Ungarns mit Flüchtlingen sagte er, dies sei „nicht das Europa, für das ich stehe, das ist das Europa der ungarischen Nationalisten“.

Unter den solidarischen Ländern sollten 160.000 Flüchtlinge entsprechend des Vorschlags der EU-Kommission verteilt werden. Dies sei „aber nur ein kleiner Teil“, sagte Schulz. Es müssten noch „viel, viel mehr Menschen“ verteilt werden. Schulz fügte hinzu: „Was wir mit denen machen, die aus der Solidarität aussteigen, dass werden wir sicher bei den nächsten Finanzrunden oder bei anderen Dingen diskutieren.“