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09/12/2016

Studie: Schlechte Wohnbedingungen kosten EU 194 Milliarden Euro im Jahr

EU-Innenpolitik

Studie: Schlechte Wohnbedingungen kosten EU 194 Milliarden Euro im Jahr

Schlechtes Wohnen schadet nicht nur der Gesundheit, sondern auch der Wirtschaft.

[ Benjamin Ragheb CC BY-SA 2.0/Flickr]

Wohnen in heruntergekommenen oder mangelhaft ausgestatteten Häusern verursacht der EU jährlich 194 Milliarden Euro an direkten und indirekten Kosten. EurActiv Brüssel berichtet.

Jedes Jahr zahlen die EU-Mitgliedsstaaten aufgrund schlechter Wohnbedingungen fast 194 Euro in Form von Gesundheits- und Sozialausgaben (direkten Kosten) sowie Produktivitätsverlusten (indirekten Kosten) – so das Ergebnis einer Studie der Europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (Eurofound) im Auftrag des EU-Parlaments.

„Diese Unzulänglichkeiten [beim Wohnen] beeinträchtigen die Gesundheit, führen häufiger zu Unfällen und haben einen negativen Einfluss auf Produktivität und Wirtschaftsleistung“, heißt es in der Studie. Die Behebung aller Wohnmängel würde  295 Milliarden Euro Kosten. Diese Ausgaben hätte man jedoch nach fast 18 Monaten bereits wieder eingeholt, da man medizinische Kosten einsparen und die Effizienz steigern würde, betonen die Experten.

Die Wohnqualität hat sich laut Studie in den letzten Jahren durchaus verbessert. Dennoch gebe es in einigen europäischen Wohnungen beziehungsweise Häusern noch immer grundlegende Probleme bei der Wärmedämmung und Heizung. Obwohl insgesamt nur etwa drei Prozent der EU-Bürger keine Grundausstattungsgegenstände wie Toiletten oder Duschen in ihren Wohnungen haben, lassen sich große Unterschiede zwischen den einzelnen Mitgliedsländern beobachten. „In Rumänien zum Beispiel verfügen 22 Prozent der Bevölkerung weder über eine Toilette noch über eine Dusche oder Wanne“, so der Bericht.

Besonders weit verbreitet seien jedoch eher strukturelle Probleme wie Feuchtigkeit. Etwa zwölf Prozent der EU-Bürger leben in feuchten oder undichten Wohnungen, neun Prozent mit Fäule in den Fenstern, Türen oder im Boden. Auch hier zeigen sich je nach Mitgliedsstaat deutliche Unterschiede. So gibt mehr als die Hälfte aller Einwohner Zyperns an, strukturelle Probleme in ihren Wohnungen zu haben. In Schweden und Österreich hingegen sind es nur etwa zehn Prozent.

Besser Wohnen zahlt sich aus

In einigen Ländern wie Spanien, Griechenland oder Ungarn könnten die Kosten zur Verbesserung der Wohnqualität innerhalb nicht einmal eines Jahres ausgeglichen werden – sogar ohne nicht-gesundheitliche Folgeerträge wie Hausratsversicherungen oder potenzielles Wirtschaftskapital.

„Die Behebung der Wohnmängel ist eine andauernde Investition, die sich sowohl kurz- als auch langfristig in Form von sozialen und wirtschaftlichen Dividenden auszahlt. Allein im ersten Jahr ließen sich neun Milliarden Euro an Gesundheitsvorsorge einsparen. Doch die Vorzüge gehen über den Bereich Gesundheit hinaus“, meint Eurofound.

Nun sei es an der Zeit zu handeln, so das EU-Parlament. Man könne zum Beispiel die Datenerhebung auf nationaler Ebene verbessern, um die Eingriffe effizienter zu koordinieren und die Investitionsrentabilität zu steigern. Gute Wohnbedingungen verbessern nicht nur die Gesundheit, sie kurbeln auch die lokale Wirtschaft an, erhöhen den sozialen Schutz und helfen bei der Integration von Einwanderern.