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25/09/2016

Schluss mit Roaming-Gebühren in der EU – Aber was ist mit Großbritannien?

EU-Innenpolitik

Schluss mit Roaming-Gebühren in der EU – Aber was ist mit Großbritannien?

Ab Juni 2017 wird es EU-weit keine Roaming-Gebühren mehr geben.

[Georgi Gotev]

Roaming-Gebühren in der EU sind ab Juni 2017 Geschichte. Aber was passiert, wenn sich das britische Volk am 23. Juni für den EU-Autritt entscheidet? – Dann könnten Anrufe zwischen den britischen Inseln und EU-Mitgliedsstaaten ziemlich teuer werden. EurActiv Brüssel berichtet.

In einem schrittweisen Prozess werden Mobilfunkbetreiber ab 30. April ihren Nutzern in der EU nur noch geringe Zusatzkosten zu den Inlandsgebühren aufschlagen dürfen: bis zu fünf Cent pro Gesprächsminute, bis zu zwei Cent pro SMS und bis zu fünf Cent pro MB an Datenübertragung (zzgl. Mehrwertsteuer). Bis zum 15. Juni 2017 sollen diese Gebühren ganz verschwinden. Dann zahlen Nutzer überall in der EU gleichviel für Anrufe, SMS und Internet. Es wird also keinen Unterschied mehr auf der Rechnung machen, ob man einen Freund von zuhause oder einem anderen EU-Land aus anruft, verspricht die Kommission auf ihrer Webseite.

Die verantwortlichen Beteiligten äußerten sich bisher nicht zu den Folgen eines möglichen Brexits für die Handyrechnungen der Briten. Sollte es zum EU-Austritt kommen, stehen harte Verhandlungen über die Bedingungen an, unter denen Großbritannien die Gemeinschaft verlässt. Im Laufe solcher Gespräche, wäre es sehr wahrscheinlich, dass das Vereinigte Königreich Abkommen wie den Mobilfunk-Deal beizubehalten versucht, damit auch britische Nutzer von der Abschaffung der Roaming-Gebühren profitieren können.

Die Regierung Großbritanniens hat ihren Bürgern bereits versichert, dass die EU-Pläne zur Abschaffung der Roaming-Gebühren ab 2017 auch im Falle eines Brexits für sie gelten würden. Osteuropäische EU-Länder jedoch, für die besonders strenge Einreisevorschriften in Großbritannien bestehen, könnten solch einen Deal blockieren.

EurActiv bat die EU-Kommission und Verbraucherverbände, zu den Folgen eines Brexits für britische Handynutzer Stellung zu nehmen. Die Antwort der Kommissionssprecherin Nathalie Vandystadt kam wenig überraschend: Die Kommission beantworte keine „Was-wäre-wenn“-Fragen.

Der Gedanke sei sehr „interessant“, bestätigt David Meechan, leitender Pressevertreter von Which?, einer britischen Verbraucherschutzorganisation. Als Reprsentant einer unabhängigen, apolitischen Einrichtung ziehe er es jedoch vor, EU-bezogene Themen vor dem Referendum nicht zu kommentieren. „Kommen Sie am 24. Juni diesbezüglich noch einmal auf uns zurück“, meint er. Überraschenderweise verweigert auch das europäische Äquivalent eine Antwort. Leider könne man zu dieser Frage keine Stellung nehmen, so Johannes Kleis, Leiter für Kommunikation beim Europäischen Verbraucherverband (BEUC). „Wir kommentieren generell keine Brexit-Themen“, erklärt er.

Also hat EurActiv selbst Nachforschungen angestellt und musste feststellen, dass es tatsächlich sehr schwierig ist, zu bewerten, wie viel britische Nutzer für den Ausstieg aus dem digitalen Binnenmarkt zahlen müssten. Denn die Preisbildung hängt von der Vertragsart ab und natürlich bieten unterschiedliche Anbieter die verschiedensten Tarife an.

Es scheint jedoch, als würde ein Nutzer, der die Leistungen seines Vertrages überschreitet, leicht bis zu einen Pfund für jeden ausgehenden Anruf außerhalb des digitalen Binnenmarktes zahlen. Eingehende Anrufe kosten in etwa die Hälfte. Das Surfen im Internet könnte mit fünf Pfund pro MB besonders teuer werden. Ähnlich hohe Kosten würden für EU-Bürger entstehen, die per Mobilfunk jemanden in Großbritannien erreichen wollen.