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03/12/2016

Rotes Kreuz fordert EU-weite Datenbank für unidentifizierte tote Flüchtlinge

EU-Innenpolitik

Rotes Kreuz fordert EU-weite Datenbank für unidentifizierte tote Flüchtlinge

Die Crew des Öltankers Salamis bringt 102 Flüchtlinge von ihrem undichten Schlauchboot nach Italien in Sicherheit. Foto: dpa

Tausende Flüchtlinge sind in den vergangenen Jahren auf dem Mittelmeer gestorben. Das Deutsche Rote Kreuz dringt nun auf eine europaweite Datenbank für unidentifizierte Tote.

Angehörigen müsse die Chance gegeben werden, das Schicksal von Familienmitgliedern zu klären und diese zu begraben, teilte das DRK am Donnerstag in Berlin anlässlich des Internationalen Tags der Vermissten mit. Dieser ist am nächsten Dienstag.

„Wir halten eine solche Datenbank angesichts tausender toter Flüchtlinge in den vergangenen Jahren auf dem Mittelmeer für dringend erforderlich“, erklärte DRK-Präsident Rudolf Seiters. Seinen Angaben nach hatte die Bundesregierung die Idee schon vor Jahren angestoßen. Die EU habe sie „aus Kostengründen“ bisher aber nicht umgesetzt.

Zu den traditionellen Aufgaben des Roten Kreuzes gehört auch die Hilfe bei der Suche nach Vermissten in Folge von Kriegen, Katastrophen und Flüchtlingsbewegungen. Dafür kooperieren die Suchdienste der nationalen Gesellschaften des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds grenzüberschreitend. Sie nutzen dafür unter anderem das eigene Internetportal „Trace the face“, über das Fotos hochgeladen und recherchiert werden.

In Deutschland rechnet das DRK trotz sinkender Flüchtlingszahlen in diesem Jahr nach eigenen Angaben mit einem Rekord an Suchanfragen von Flüchtlingen, die von Angehörigen getrennt wurden. „Bis zum Jahresende erwarten wir insgesamt rund 3000 Anfragen“, teilte Seiters mit. Das sei eine Steigerung um rund 90 Prozent gegenüber 2015 (1635 Anfragen).

Etwa die Hälfte der bisherigen Anfragen brachte demnach ein Ergebnis. In diesen Fällen seien Angehörige wieder zusammengebracht oder das Schicksal Vermisster geklärt worden.