Renzi als Brückenbauer

Der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi will den Bau einer Brücke von Süditalien nach Sizilien forcieren.

Mit der Wiederbelebung des Brückenprojekts an der Meerenge bei Messina will Italiens Premierminister Renzi auch gleich auf Stimmenfang für sein Referendum gehen.

Für den Konservativen und Ex-Premier Silvio Berlusconi galt der Bau einer Brücke von Süditalien nach Sizilien als Prestigeprojekt. Von Anfang an stand dieser Plan unter heftiger Kritik von den Linken und Grünen, die von einer nicht zu rechtfertigbaren Investition und Gefahren für die Umwelt warnten. Dennoch erhielt im Oktober 2005 ein nord-italienisches Baukonsortium den Zuschlag als Generalunternehmer für ein Auftragsvolumen von 3,9 Milliarden Euro. Die Bauarbeiten hätten 2007 beginnen sollen. Aber bereits im Oktober 2006 – mittlerweile war Romano Prodi Regierungschef – wurde die Durchführung des Projekts ausgesetzt. Jetzt hat der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi es wiederbelebt. Nicht ganz uneigennützig.

Am 4. Dezember sind die Italiener aufgerufen, über eine umfassende und tiefgreifende Verfassungsreform abzustimmen. Renzi könnte damit die Zusammensetzung und Befugnisse des Senats, der zweiten Kammer im italienischen Parlament, radikal beschneiden. Politische Entscheidungen könnten schneller fallen, aber auch die hohen Kosten für den Politikbetrieb gesenkt werden. Mit einem schlankeren, entscheidungsfähigeren Parlament könnte der Ministerpräsident endlich jene großen Baustellen angehen, von deren Sanierung er seit seinem Amtsantritt spricht.

Renzis Problem ist derzeit nicht nur die pessimistische Stimmung im Land, die vor allem seine Partito Democratico (PD) zu spüren bekommt. Schleppende Justizverfahren, überbordende Bürokratie, Verschwendung und Versickern von Steuergeldern, desolate Straßen und öffentliche Verkehrsmittel, verfallende Kulturgüter sind nur einige Stichworte. Ein „gefundenes Fressen“ für die Protestbewegung „Cinque Stelle“, die gerade dabei ist, die politische Landschaft aufzumischen. Deren Gründer, der Komiker Beppe Grillo, findet derzeit bei seinen Versammlungen massenhaft Zulauf frustrierter Bürger.

Um doch Wähler im vor allem wirtschaftlich schwachen Süditalien zu mobilisieren, setzt Renzi auch auf die Realisierung des Baus einer multifunktionalen Brücke zwischen Villa San Giovanni am Fuße des Stiefels und Messina am Nordostufer Siziliens. Kosten in Höhe von neun Milliarden werden für die 5.070 Meter lange, auf zwei Pfeilern und 64 Meter über dem Meeresspiegel verlaufende Brücke veranschlagt. Bis zu 100.000 Arbeitsplätze sollen durch die Bauarbeiten geschaffen werden. Neben einer vier-gleisigen Bahnstrecke soll es auch eine dreispurige Autobahn. 200 Züge sollen täglich verkehren, 4.500 Autos stündlich die Straße frequentieren. Damit will man Sizilien an das trans-europäische Verkehrsnetz anbinden und ein Bauwerk schaffen, das an die Golden Gate bei San Francisco erinnert. Und die EU in Brüssel wird eingeladen, mitzufinanzieren.