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01/10/2016

Rechtspopulismus: AfD in Umfragen erstmals bei zehn Prozent

EU-Innenpolitik

Rechtspopulismus: AfD in Umfragen erstmals bei zehn Prozent

Die AfD sucht nach ihren jüngsten Wahlerfolgen nach ihr Themenspektrum zu erweitern.

[Metropolico.org/Flickr]

In der anhaltenden Debatte in der Flüchtlingskrise legt die AfD einer Umfrage zufolge in der Wählergunst zu. Inzwischen ist sie drittstärkste Partei in Deutschland. derweil streiten Politiker weiter, ob man die Rechtspopulisten bei Fernsehdebatten ausladen dürfe.

Erstmals erreicht die Partei im Sonntagstrend, den Emnid wöchentlich für „Bild am Sonntag“ erhebt, zehn Prozent (plus ein Prozentpunkt). CDU/CSU verlieren dagegen zwei Prozentpunkte und kommen auf 36 Prozent. Die Grünen erreichen neun Prozent (minus ein Prozentpunkt). Einen Zähler gewinnen kann die SPD, sie kommt auf 25 Prozent. Die Linke liegt unverändert bei neun Prozent, die FDP bei fünf Prozent. Die Sonstigen kommen auf sechs Prozent (plus ein Prozentpunkt).

Zuspruch findet die AfD fast ausschließlich bei Männern. Während nur zwei Prozent der wahlberechtigten Frauen derzeit AfD wählen würden, sind es bei den männlichen Bundesbürgern 17 Prozent. Umgekehrt ist das Geschlechterverhältnis bei den Regierungsparteien. 40 Prozent der Wählerinnen würden ihr Kreuz bei CDU/CSU machen (Männer 32 Prozent), 30 Prozent bei der SPD (Männer 20 Prozent).

Trotz der aktuell guten Umfragen glaubt eine deutliche Mehrheit der Deutschen (68 Prozent), dass die AfD nur eine vorübergehende Erscheinung ist. Lediglich 20 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass die Partei ein fester Bestandteil der deutschen Parteienlandschaft wird.

Für den Sonntagstrend hat Emnid zwischen dem 14. und 20. Januar 1875 Personen befragt.

Streit um den Umgang mit der AfD in TV-Debatten geht weiter

Nach weiter Kritik am Boykott einer TV-Diskussion mit den Rechtspopulisten der AfD zeigte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft Verständnis für die Entscheidung ihrer rheinland-pfälzischen Kollegin Malu Dreyer. Sie nannte im Deutschlandfunk die Boykottdrohung ihrer Parteikollegin eine persönliche Entscheidung, die sie nicht kommentieren wolle. Doch auch sie habe für sich entschieden: „Ich gehe nicht in Fernsehsendungen mit Vertretern der AfD.“

Der SWR-Intendant Peter Boudgoust hatte die AfD nach der Absage von Malu Dreyer ausgeladen. Zu den TV-Debatten des SWR in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg sollten nur Politiker der Parteien eingeladen werden, die in den Landtagen vertreten sind, also CDU, SPD und Grüne.

CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner hatte auf den Ausschluss der AfD ihrerseits mit einer Absage reagiert. Sie nehme nicht an einem „inszenierten Regierungstalk“ teil