EurActiv.de

Das führende Medium zur Europapolitik

29/08/2016

Österreich startet Kurse zur schnelleren Integration von Flüchtlingen

EU-Innenpolitik

Österreich startet Kurse zur schnelleren Integration von Flüchtlingen

Österreich bietet ab März Integrationskurse für bestimmte Gruppen von Asylsuchenden an.

In Österreich werden nach Deutschland die meisten Asylanträge gestellt. Mit Werte- und Sprachkursen in den Bundesländern will die österreichische Regierung Flüchtlingen nun helfen, schneller Zugang zum Alltag zu bekommen.

Nach Deutschland werden in Österreich die meisten Asylanträge gestellt. Schweden ist mittlerweile auf den dritten Platz abgerutscht. Trotz der Kritik, die der Regierung in Wien wegen der Einführung einer Obergrenze entgegenschlägt, kommt nun in der EU-Flüchtlingspolitik etwas in Bewegung. Schwerpunkt ist der verstärkte Schutz der Außengrenzen, der nun  schnell vorangetrieben werden soll. Weil sich Wien nicht auf die Türkei und die NATO verlassen will, will die Regierung bis November eine eigene europäische Grenz- und Küstenwache einsatzbereit machen. Vor allem aber soll Schengen spätestens gegen Jahresende „wieder voll in Betrieb gehen“, wie es aus Brüsseler EU-Kreisen heißt.

Fast wortgleich mit der österreichischen Informationskampagne hat nun EU-Ratspräsident Donald Tusk einen eindringlichen Appell an Migranten gerichtet, die sich aus wirtschaftlichen Gründen auf den Weg in die EU machen: “Kommen Sie nicht nach Europa. Glauben Sie nicht den Schmugglern. Riskieren Sie nicht Ihr Leben und Ihr Geld! Es ist alles umsonst.”

Dass viele Schutzsuchende nur kurz einen oder aber gar keinen Job finden, hängt oft mit nicht nachprüfbaren beziehungsweise unzureichenden Schul- und Berufsausbildung zusammen.

Flächendeckende Werte- und Sprachkurse

Österreich will daher Flüchtlingen, die langfristig im Land bleiben, ein umfassendes Informations- und Ausbildungsprogramm anbieten. Die Menschen sollen schnell Deutsch lernen und die Werte der österreichischen Gesellschaft kennenlernen. Das  Integrationsministerium bietet nun gemeinsam mit den Bundesländern sowie dem Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) Werte- und Orientierungskursen an.

Die Kurse vermitteln Asylberechtigten und subsidiär Schutzberechtigten die Grundwerte des Zusammenlebens, Verhaltensregeln sowie wichtiges Alltagswissen für ihre Integration. Zentrale Werte wie die Gleichstellung von Mann und Frau, Meinungs- und Religionsfreiheit sollen vermittelt und ihre Bedeutung für das Zusammenleben verständlich gemacht werden.

Die ersten Kurse starten ab Mitte März. Bereits während des Asylverfahrens werden Sprachtraining, das Erlernen der lateinischen Schrift (Alphabetisierung) und interkulturelle Orientierung für asylsuchende Kinder, Frauen und Männer angeboten.

Mit diesen Werte- und Orientierungskursen wird eine zentrale Maßnahme des 50 Punkte-Plans auf den sich Bundesregierung und Vertreter aller Länder beim Asylgipfel Mitte Januar geeinigt hatten, umgesetzt. Ziel ist, dass jede und jeder Asylberechtigte diese Kurse künftig durchläuft. Durch die enge Zusammenarbeit zwischen Integrationsministerium, ÖIF, den Bundesländern und Stakeholdern vor Ort sollen Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte zielgerichtet informiert sowie die Kurse direkt vor Ort angeboten werden. Für Teilnehmer/innen mit noch geringen Deutschkenntnissen stehen Dolmetscher für Arabisch und Farsi/Dari zur Verfügung.