Nordzypern: Türken auf Zypern wählen neuen Präsidenten

Je näher die Präsidentschaftswahlen in der Republik Zypern im Frühjahr 2018 rücken, desto schwieriger wird die Zusammenarbeit der zwei größten Parteien, der konservativen DISY und der linken AKEL. [galarapid/Flickr]

Im türkischen Teil von Zypern stehen am Sonntag Wahlen an: Nach mehr als 40 Jahren soll der neue Präsident des nur von der Türkei anerkannten Teils der Mittelmeerinsel Nordzypern aus der Isolation führen.

Auf den Sieger der Wahl wartet eine gewaltige Herausforderung: Nach mehr als 40 Jahren soll der neue Präsident die Türkische Republik Nordzypern aus der Isolation führen. Die Einwohner des nur von der Türkei anerkannten Teils der Mittelmeerinsel bestimmen am Sonntag ihr neues Oberhaupt – und hoffen darauf, dass er die Lösung für ein Problem findet, an dem Generationen von Politikern gescheitert sind.

„Es ist meine Pflicht zu wählen“, sagt der 29-jährige Ahmed Shaheen. Er hoffe auf einen Durchbruch in den Friedensverhandlungen mit der Republik Zypern. Ansonsten sehe er keine Zukunft für die Einwohner des abgeschotteten Inselteils im Norden. „Ich hoffe, wir können die Dinge ändern“, sagt auch die 62-jährige Erham Tayfor, die im Nordteil der geteilten Hauptstadt Nikosia ein kleines Geschäft betreibt. „Wir wollen uns frei bewegen und ohne Beschränkungen Handel treiben.“

Amtsinhaber Dervis Eroglu stehen bei der Wahl am Sonntag drei aussichtsreiche Herausforderer gegenüber. Der Wahlkampf wurde von der Frage nach dem zukünftigen Status der Türkischen Republik Nordzypern und der Beziehung zu den griechischen Zyprern dominiert. Die frühere Regierungschefin Sibel Siber gilt als schärfte Rivalin des Amtsinhabers. Auch dem früheren Bürgermeister von Nikosia, Mustafa Akinci, werden gute Chancen eingeräumt.

Zypern ist seit einem griechisch-zyprischen Putsch und einer anschließenden türkischen Militärintervention 1974 geteilt. Die 1982 ausgerufene Türkische Republik Nordzypern wird nur von Ankara anerkannt. Die Republik Zypern trat 2004 der EU und dem Euro bei. Völkerrechtlich ist die ganze Mittelmeerinsel Mitglied der Europäischen Union. Einen UN-Plan zur Wiedervereinigung hatten die griechischen Zyprer im April 2004 mehrheitlich abgelehnt, während die meisten türkischen Zyprer dafür stimmten. Und so überwachen auch elf Jahre später weiterhin etwa tausend UN-Blauhelme die Waffenstillstandslinie, die durch Europas letzte geteilte Hauptstadt Nikosia verläuft. Im Norden der Insel sind zehntausende türkische Soldaten stationiert.

Die Debatten im Wahlkampf drehten sich auch um die Frage nach der Beziehung zur Türkei, die 30 Prozent des Haushalts beisteuert und einen Großteil der Infrastruktur finanziert. „Ich will nicht, dass der künftige Präsident Befehle aus der Türkei oder irgendeinem anderen Land empfängt“, betont die Händlerin Tayfor. Eroglu wird eine große Nähe zu Ankara vorgeworfen, doch Beobachter zweifeln daran, dass dies sich ändern wird, falls Siber oder Akinci die Wahl gewinnen sollten. Zu groß ist die Abhängigkeit von Ankara.

Der UN-Sonderbeauftragte für Zypern kündigte Anfang April zwar an, dass die Verhandlungen über eine Wiedervereinigung der Insel nach sechsmonatiger Unterbrechung wieder aufgenommen werden sollen. Der Pessimismus unter den Zypern-Türken ist allerdings groß. „Menschen wurden geboren, lebten, bekamen Kinder und gründeten Familien und starben, während sie darauf warteten, dass die Politiker eine Lösung finden“, sagt etwa die Anwältin Ermine Colak. Immerhin sei in diesem Wahlkampf endlich auch einmal über Korruption und Vetternwirtschaft debattiert worden. Auch für Gamze Karaderi ist es ein ermutigendes Zeichen, dass diese Probleme zur Sprache kamen. „Ich habe noch einen Funken Hoffnung. Ich liebe mein Land noch immer. Das Problem ist das System.“